Buchvorstellung in Perleberg

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Stasi-Forscher
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Buchvorstellung in Perleberg

Beitrag von Stasi-Forscher » 18 Mär 2013, 13:10

Liebe Freunde der Aufarbeitung,

für Kurzentschlossene gibt es schnell noch folgenden Hinweis (weiß auch nicht, warum vorher noch keiner dran gedacht hat):

Morgen / Dienstag, den 19.3.13 findet in Perleberg eine Buchvorstellung / Lesung mit musikalischer Begleitung statt. Ich zitiere im Folgenden aus der Webseite der LAkD:

"Spür die Angst" Die Disziplinareinheit im Militärgefängnis Schwedt / Oder
Buchvorstellung und Lesung
Termin Dienstag, 19. März 2013, 19:00 Uhr

Ort DDR-Museum im Dokumentationszentrum Perleberg

Feldstraße 98, 19348 Perleberg

Für jeden Angehörigen der Nationalen Volksarmee (NVA) der DDR war SCHWEDT ein Begriff, der für Furcht, Angst und Schrecken stand. Der Name der Stadt an der Oder wurde ab 1968 zum Synonym für das einzige Militärgefängnis der DDR. 1982 entstand daraus die berüchtigte Disziplinareinheit der NVA.

Erinnerungen an die Zeit in dieser Disziplinareinheit haben Paul Brauhnert und Ilja Hübner gesammelt und in dem obigen Band veröffentlicht. Hierzu zählen auch ihre eigenen Erinnerungen.

In einem Gespräch mit der Stellvertreterin der brandenburgischen Aufarbeitungsbeauftragten, Dr. Marie Anne Subklew, und dem Publikum werden die beiden darüber berichten. Susanne Stock wird den Abend musikalisch begleiten. Den konkreten Ablauf können Sie der Einladungskarte entnehmen.

Die Veranstaltung wird gemeinsam vom DDR-Geschichtsmuseum im Dokumentationszentrum Perleberg und der Beauftragten des Landes Brandenburg zur Aufarbeitung der Folgen der kommunistischen Diktatur durchgeführt.


Beste Grüße

Stasi-Forscher

baustus
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Re: Buchvorstellung in Perleberg

Beitrag von baustus » 20 Mär 2013, 20:17

ich hoffe es klappt mit dem hereinstellen des artikels zur buchlesung.

baustus

19.03.2013
von Matthias Lanin

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Vernichtungsmaschine für junge Seelen
von Matthias Lanin
heprodimagesfotos93220130319_antreten01_pnn.jpg
2
Bild vergößern

Antreten. Gefangene in Schwedt müssen auf dem Flur antreten. Repro: nlz

Ehemalige Häftlinge und Wärter des DDR-Militärgefängnises in Schwedt haben einen Verein gegründet

Schwedt/Perleberg - Kantig, grau, still und hässlich – was auf den ersten Blick lediglich wie verwaiste DDR-Plattenbauten aussieht, entpuppt sich bei näherer Betrachtung als Ort des Schreckens. „In diesen Häusern wurden junge Seelen vernichtet“, sagt Dr. Marie Anne Subklew von der Landesbehörde zur Aufarbeitung der Folgen der kommunistischen Diktatur. Für Brandenburg und die gesamte Republik sei es deshalb wichtig, die Bausubstanz und die Erinnerung an das ehemalige Militärgefängnis in Schwedt (Uckermark) zu erhalten. Gleich zwei Schritte dichter seien die Brandenburger diesem Ziel jetzt gekommen.

Zum ersten haben ehemalige Häftlinge gemeinsam mit Wärtern einen Verein gegründet, der ehrenamtlich für Aufklärung sorgen soll. Zum zweiten ist der zweite Teil der Dokumentationsreihe ab heute in Arbeit, wie Subklew hinzufügt. Der erste Teil, „Spür die Angst“, der in Schwedt im November vorgestellt wurde, enthält persönliche Berichte von acht Augenzeugen, „die charakterlich sehr unterschiedlich sind“, sagt Politologin Marie Anne Subklew. Sie wisse natürlich, dass jeder Insasse die Zeit in dem Umerziehungsknast anders empfunden habe. „Für die einen war es dort auszuhalten, die anderen wurden für immer zerstört. Uns ist bei den Büchern wichtig, keine Perspektive auszulassen, damit ein organisches Bild entstehen kann“, sagt sie. Schwedt sei beinahe allen NVA-Soldaten bekannt gewesen, denn mit dem Gefängnis wurde von 1968 bis 1990 gedroht. Im Gegensatz zu anderen Einrichtungen dieser Art in der DDR war hier nicht Informationsbeschaffung oder pure Zerstörung von Gegenwillen das Hauptziel. Die Häftlinge verblieben nach ihrem Aufenthalt in der Nationalen Volksarmee (NVA) und wurden nicht unehrenhaft entlassen oder verschwanden gänzlich. Als Nebeneffekt bekamen die Machthaber hier einen außergewöhnlich gut funktionierenden Herstellungsbetrieb, in dem zum Beispiel der LAK (Leicht absetzbarer Fahrzeugkoffer) hergestellt worden ist. Laut Fünfjahresplänen wurde in der Disziplinareinheit II mit 86 Arbeitskräften gerechnet. Für die Häftlinge selbst waren die streng durchgeplanten Hafttage ohne private Rückzugsmöglichkeiten zerstörerisch. Paul Brauhnert, Mitherausgeber des Buches „Spür die Angst“, formuliert einen Vergleich, um den Drill zu beschreiben. „Jemand sagt zu Ihnen, Sie sollen springen. Sie kennen doch diesen Spruch: Wenn ich sage, du sollst springen, dann springst du!“, wie er in dem Buch ausführt. Und dann passiere das Unfassbare, man springt. „Sie springen, weil man es Ihnen sagt. Nein, Sie springen, weil man es Ihnen befohlen hat“, sagt Brauhnert. Um den anschließenden Aufprall habe sich die Diktatur nicht gekümmert, „und man hat sie fallen gelassen, die Soldaten und Unteroffiziere der NVA, die ihre Disziplinarstrafe in der berüchtigten DE 2 des Schwedter Militärgefängnisses antraten. Eine Gefangenschaft ohne Urteil. Ein Verschluss, dem die meisten von ihnen nie wieder entkamen“, schreibt Brauhnert.

Der erste Teil der dokumentarischen Reihe über das NVA-Gefängnis wird heute im DDR-Museum in Perleberg (Feldstraße 98) um 19 Uhr vorgestellt. Matthias Lanin

www.militaergefaengnis-schwedt.de

harald
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Re: Buchvorstellung in Perleberg

Beitrag von harald » 20 Mär 2013, 20:59

Hallo baustus,
Danke für diesen Artikel.
Hast du auch einen Link dazu, oder in welcher Zeitung war das.
So kann ich auch nicht das Bild öffnen.

Harald
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"Auch aus Steinen, die in den Weg gelegt werden, kann man Schönes bauen" Goethe

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Stasi-Forscher
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Re: Buchvorstellung in Perleberg

Beitrag von Stasi-Forscher » 20 Mär 2013, 21:50

Hallo Harald (sorry Baustus;-))

das waren die Potsdamer neuesten Nachrichten und der Link wäre folgender:

http://www.pnn.de/brandenburg-berlin/734798/

Beste Grüße vom

Stasi-Forscher

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Detlef
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Re: Buchvorstellung in Perleberg

Beitrag von Detlef » 20 Mär 2013, 23:54

nur kurz zum Bild:

das wurde definitiv nicht in der DE in Schwedt fotografiert:

(a) die Soldaten tragen Schulterstücke
(b) die Fugen der Bodenfliesen sind im 45°-Winkel zur Wand, in der DE waren sie im 90° -Winkel.

detlef
3 Monate Strafdienst in der Disziplinareinheit vom 20.09.1983 bis 15.12.1983
Es ist geschehen und folglich kann es wieder geschehen. Darin liegt der Kern dessen, was wir zu sagen haben.

tina
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Re: Buchvorstellung in Perleberg

Beitrag von tina » 21 Mär 2013, 13:46

Mit Freude stelle ich fest, dass aus dem Forum, in dem früher manchmal ( sehr manchmal ) geschrieben stand, dass die Gefangenen ja selber schuld waren, schliesslich hatten sie ja das Gesetz gebrochen....( das Unrechtsgesetz ! ), ein Forum geworden ist, in dem es jetzt um Inhalte geht. Der Vereinsgründung stand ich anfänglich etwas skeptisch entgegen, aber ich habe Eure fotos gesehen und daraus erkenne ich Entschlossenheit. Kein sinnloses Geplänkel, alles Männer, die wissen, was sie wollen. Viel Erfolg wünsche ich Euch in dem Verein!

Das mit dem Foto ist ja auch ziemlich schwierig, denn wer soll denn , wann , fotografiert haben!
Dann sei doch das "falsche" gestattet.

baustus
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Re: Buchvorstellung in Perleberg

Beitrag von baustus » 21 Mär 2013, 16:03

...das foto ist aus dem buch -spür die angst- . seite 204, quelle: fotografie, veb fotokinoverlag, 02. 1986

baustus

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