Braunhert - Hübner - Polzin "Der DDR-Militärstrafvollzug..."

Pavel
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Braunhert - Hübner - Polzin "Der DDR-Militärstrafvollzug..."

Beitrag von Pavel » 19 Dez 2014, 08:06

Guten Morgen,

ich bin nun seit einiger Zeit hier angemeldet um zu erfahren, was sich im Inneren von "Schwedt" abgespielt hat. Das "Warum" habe ich unter meiner Vorstellung erläutert.

Letzte Woche konnte ich in der Bibliothek endlich das bestellte Buch "Der DDR-Militärstrafvollzug und die Disziplinareinheit in Schwedt 1968-1990. Zeitzeugen brechen ihr Schweigen" abholen. Zum Lesen brauchte ich keine Woche - Kompliment an die Herausgeber! Es liest sich "einfach weg", wie ein spannender Krimi. Soll heißen: Reportagen oder Dokumentationen lesen sich oft knochentrocken. Im vorliegenden Buch ist das ganze Gegenteil der Fall. Und dazu gelingt es tatsächlich anschaulich, einem Außenstehenden einen Eindruck zu vermitteln, wie das Disziplinierungssystem gestaltet war. Ich kann mir für mich gar nicht verstellen, wie jemand diese Zeit ungebrochen hat überstehen können; dass es solche "Dauerrenitenten" wie Herrn Meyer geben konnte und gab. Hut ab!

Ich verbeuge mich aber auch vor denen, die trotz der Folgen der Haftzeit, die bis heute scheinbar weite Teile Ihres Lebens bestimmen, den Mut und die Kraft gefunden haben, aus Ihrer Sichtweise zu berichten. Durch die Erzählung beider Aspekte - sei es der unerschrockene Gefangene oder die tief erschütterte Persönlichkeit - gelang es, bei mir ein (vielleicht) sehr anschauliches Bild der Verhältnisse zu projizieren. Danke an die Herausgeber; macht weiter so und findet für die folgenden Auflagen weitere Augenzeugen, die den Außenstehenden berichten wollen!

Das darf nicht vergessen werden, niemals!

Und auch wenn dieses Forum vielleicht nicht so lebhaft ist, wie es andere Foren sind - auch das ist für mich eine wichtige Form der Dokumentation. Es wäre unendlich schade, wenn diese Quelle aufhören würde, zu informieren. Darum von mir auch ein dickes Danke an die Forumsmacher! Weiter so!

Ich wünsche allen eine besinnliche Weihnachtszeit und einen fröhlichen Rutsch ins neue Jahr!

Gruß an alle!
Pavel

baustus
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Re: Braunhert - Hübner - Polzin "Der DDR-Militärstrafvollzug..."

Beitrag von baustus » 29 Dez 2014, 19:27

hallo pavel,

ja, wir machen weiter.

baustus

Lacrimo

Re: Braunhert - Hübner - Polzin "Der DDR-Militärstrafvollzug..."

Beitrag von Lacrimo » 11 Apr 2015, 13:48

Hallo Pavel,

ich hoffe Dich nicht zu überfordern, weil ich schon wieder schreibe. Da im Forum wenig los ist und ich frühere Beiträge lese,
möchte ich einfach mal schreiben wollen. Zu dem Buch hatte mich baustus gefragt und ich hatte damals abgelehnt, doch
habe ich eingesehen, das es nicht um mich ging, ich schreibe zwar meine Erlebnisse, die Fragen stammten von Herrn Dr. Wenzke, den ich sehr schätze, sondern der Allgemeinheit zu sagen, wie Schwedt für mich war. Ich bin einer von von vielen, die da waren. Ich danke baustus, Ilja Hübner und Arno sehr, das sie diesen Band veröffentlicht haben. Das Buch zeigt einfach, wie der reale Sozialismus war. Es entlarvt diese sogenannten Kommunisten.

Viele Grüße Lacrimo

Pavel
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Re: Braunhert - Hübner - Polzin "Der DDR-Militärstrafvollzug..."

Beitrag von Pavel » 13 Apr 2015, 16:03

Hallo Lacrimo,

du überforderst mich keineswegs! Da derzeit nicht viel los ist im Forum, schaue ich auch nur sporadisch rein.
Ich habe übrigens nun ENDLICH geschafft, meinen Antrag auf Unterlageneinsicht in der Stasibehörde abzugeben. DA bin ich gespannt, was mich erwartet....

Gruß
P.

Lacrimo

Re: Braunhert - Hübner - Polzin "Der DDR-Militärstrafvollzug..."

Beitrag von Lacrimo » 13 Apr 2015, 18:54

Hallo Pavel,

das ist ein guter und wichtiger Weg, da man leider nur wenige ausschließen kann. Doch habe Geduld, meinen ersten Antrag habe ich Anfang der 1990er Jahre gestellt, wegen Rehablitierung und das ging sehr schnell. 2012 habe ich einen erneuten Antrag gestellt und habe 2014 wieder neue Unterlagen erhalten, wo ich auch eine Aussage im Buch revidieren musste. Man findet leider nie viel gutes darin. Aber es ist es wert, weil man liebgewordene Menschen ausschliessen kann, doch auch das muss nicht immer sein. Ich wünsche Dir viel Glück und schreib mal, vielleicht auch Privat, würde mich sehr freuen, was bei Dir rausgekommen ist.

Viele Grüße Lacrimo

Dessauer
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Re: Braunhert - Hübner - Polzin "Der DDR-Militärstrafvollzug..."

Beitrag von Dessauer » 19 Apr 2015, 12:05

Hallo an alle,
hallo Pavel,

(…) Und dazu gelingt es tatsächlich anschaulich, einem Außenstehenden einen Eindruck zu vermitteln, wie das Disziplinierungssystem gestaltet war. Ich kann mir für mich gar nicht verstellen, wie jemand diese Zeit ungebrochen hat überstehen können; (…)
Ich verbeuge mich aber auch vor denen, die trotz der Folgen der Haftzeit, die bis heute scheinbar weite Teile Ihres Lebens bestimmen, den Mut und die Kraft gefunden haben, aus Ihrer Sichtweise zu berichten. Durch die Erzählung beider Aspekte - sei es der unerschrockene Gefangene oder die tief erschütterte Persönlichkeit - gelang es, bei mir ein (vielleicht) sehr anschauliches Bild der Verhältnisse zu projizieren. (…)

Ich habe dieses Zitat aus Deinem Beitrag hier im Forum vom 19. Dezember 2014 ganz bewusst an den Anfang meines Beitrags gestellt: Ja, auch ich bin der Meinung, dass Zeitzeugenberichte äußerst wichtig sind. Für die nachfolgenden Generationen, erfüllen sie die nüchternen Zahlen und Fakten mit Leben und machen sie einprägsamer.

Vor Jahren wurde die Idee dazu im Büro von Frau Grodon, der Leiterin des Museums in Schwedt geboren, Zeitzeugen zu finden, die das Erlebte im MSG und der DE aufschreiben und bereit sind diese Erinnerung öffentlich zu machen. Zusammen mit Hans (auch ein 68er), habe ich mich spontan entschlossen, diese Idee mitzutragen und einen Teil meiner Erlebnisse aufzuschreiben.

Um die Arbeit am Buch auf mehrere Schultern zu verteilen und auch finanziell abzusichern wurde eine Projektgruppe gegründet, die sich seit dem regelmäßig in Berlin traf.

Diese Projektgruppe beschloss aber auch, dem Band mit den Zeitzeugenberichten, der Dir vorliegt, einen weiteren Band folgen zu lassen.
In ihm sollten Mitgefangene über ihr Leben nach der Haft berichten, Bürger der Stadt Schwedt ihre Sicht auf das Lager und danach darstellen, sowie Zivilbeschäftigte aus dem Betonwerks, die täglich Kontakt mit Gefangenen hatten.

Die Beiträge liegen fast alle vor, denn wir hatten uns selber unter Druck gesetzt, denn dieser Band sollte unbedingt zum 31. Mai 2015, dem 25. Jahrestag der Schließung von MDG und DE erscheinen. Zeitlich wäre der Termin haltbar gewesen

Plötzlich grätscht ein Mitarbeiter des finanzierenden Teils der Projektgruppe, mit den Worten dazwischen: „Ich glaube grundsätzlich, dass wir uns etwas von den Bänden, in deren Zentrum subjektive Erinnerungen stehen, lösen sollten und Bände dieser Art nur noch veröffentlichen sollen, wenn es hierzu keine vergleichbaren Quellen gibt.“
Dazu noch einen Forderungskatalog mit angeblich wichtigen Fragen, die nach 25 Jahren schier unlösbar sind und zeitlich sowieso!
Für das Lösen „seiner“ Fragen, die ich bei Bedarf auch gern konkretisiere, wurde eine nicht unerhebliche, vierstellige Summe Steuergeld für die Abarbeitung dieser Fragen ausgelobt.
Also, ein ähnliches, erfolgloses Szenario wie beim Verein mit seiner Machbarkeitsstudie!

Somit wurde das Erscheinen unseres Buches verhindert!
Wir Zeitzeugen haben uns zwar dagegen aufgelehnt – aber es blieb beim Versuch!
Der Verein und weitere Mitglieder der Projektgruppe haben die Seiten gewechselt – teils aus Opportunismus, teils aus Sicherung des Arbeitsplatzes, ach was weiß ich, was die für Gründe haben. Interessant wäre es, die Rolle des Vereins in diesem Spielchen zu betrachten.

Du sieht, Pavel, es wird wohl keine Fortführung des Bandes in der bisherigen Form geben, Zeitzeugenberichte werden da wohl eher zu Fußnoten!

Ich weiß, dass ich mir diesem Beitrag wieder einmal in sämtliche Fettnäpfe springe, aber das stört mich nicht.

Einen schönen Sonntag wünscht der

Dessauer

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Detlef
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Re: Braunhert - Hübner - Polzin "Der DDR-Militärstrafvollzug..."

Beitrag von Detlef » 19 Apr 2015, 20:35

Zu den Ausführungen vom Dessauer über den Inhalt des dritten Bandes möchte ich ergänzen, dass auch ich (als Mitglied des Vereins) einen Teil dazu beigetragen hätte: Von der Projektgruppe wurde ich gefragt, ob ich meine Erinnerungen und Erlebnisse zur Gründung des Vereins – von der Idee bis zur Unterschrift der Gründungsurkunde - aufschreibe und sie für den dritten Band zur Verfügung stelle.
Sicher wäre das auch interessant gewesen, da ich in der Vorbereitungsphase mit vielen Zeitzeugen im Kontakt und Gedankenaustausch stand. Ich finde es auch sehr schade, dass das Projekt für diesen Band nun erst einmal auf Eis liegt, bzw. wohl nicht veröffentlicht wird.

Aber die Aussage, dass der Verein aus irgendwelchen Gründen „die Seiten gewechselt hat“ stimmt so nicht. Wir stehen auf keiner „Seite“. Wir spielen hierbei auch keine „Spielchen“, die es sich lohnt zu betrachten.

Entweder das Buch kann finanziert und veröffentlicht werden mit Hilfe der LAKD oder nicht. Wenn wir es veröffentlichen wollen, ohne den Teil der Beantwortung der Fragen (die dem Band laut Verlag geschichtlich und wissenschaftlich ein Gerüst geben sollten), so müssen wir entweder eine andere Lösung der Finanzierung finden oder es selbst privat finanzieren. Und dazu hat die Projektgruppe bis jetzt keine Lösung gefunden. Vielleicht ergibt sich ja noch eine Möglichkeit auf anderem Wege.

Das Nicht-Erscheinen des Buches hat übrigens nichts mit der Ausschreibung der Machbarkeitsstudie seitens des Vereins zu tun.

Vom Verein wurde im Dezember 2013 ein „Runder Tisch“ initiiert, dessen Gesprächsteilnehmer sich über die mögliche zukünftige Nutzung des Geländes als Ort der Erinnerung und Dokumentation ausgetauscht haben. Zu den Teilnehmern gehörten u.a. auch Frau Anke Grodon vom Stadtmuseum, Dr. Rüdiger Wenzke und Prof. Matthias Rogg, Herr Herrman
(1. Beigeordneter der Stadt Schwedt) und weitere Persönlichkeiten. Nach mehreren Gesprächsrunden einigte man sich einstimmig, dass der Verein den Auftrag zur Erstellung einer Machbarkeitsstudie erstellt.

Dass der Dessauer mittlerweile in jedem seiner Beiträge den Verein verbal angreift und schlecht machen möchte, daran haben wir uns gewöhnt, somit kann ich auch kein „Fettnäpfchen“ mehr ausmachen.

detlef
3 Monate Strafdienst in der Disziplinareinheit vom 20.09.1983 bis 15.12.1983
Es ist geschehen und folglich kann es wieder geschehen. Darin liegt der Kern dessen, was wir zu sagen haben.

Lacrimo

Re: Braunhert - Hübner - Polzin "Der DDR-Militärstrafvollzug..."

Beitrag von Lacrimo » 20 Apr 2015, 22:37

Hallo Dessauer,

was ihr geschrieben habt, sind interne Sachen, wovon das Forum nichts wusste. Wir hatten auch nie die Möglichkeit dazu zu schreiben. Ihr habt es unter Euch ausgemacht, es ist Euer Recht, weil Ihr der Projektgruppe angehört. Doch hätte der eine oder andere dazu auch eine Meinung gehabt.
Wie ich zum Beispiel. Aber das war nicht gewollt. Das finde ich sehr schade. Ich möchte Dich, lieber Dessauer, fragen, welcher Forderungskatalog aufgestellt wurde und würdest Du ihn uns öffentlich machen, damit wir wissen, wovon wir reden und hier auch schreiben können. Der neue Band wäre in jedem Fall wichtig gewesen. Da bin ich Deiner Meinung.

Es gibt hier keine „Fettnäpfchen“, in die man treten kann. Es gibt hier nur Meinungen, die ehrlich sind, egal wie sie bewertet werden. Es sind unsere Empfindungen, nicht mehr und nicht weniger.

Viele Grüße Lacrimo

Lacrimo

Re: Braunhert - Hübner - Polzin "Der DDR-Militärstrafvollzug..."

Beitrag von Lacrimo » 24 Apr 2015, 22:01

Hallo Detlef,

wenn ich ins Forum komme, finde ich leider kaum noch Beiträge von anderen. Da hier nur sehr wenige überhaupt schreiben. Vielleicht schreibe ich auch zuviel, und mich haben viele wahrscheinlich auch schon satt. Ich weiß nie, wie man sich hier richtig verhält. Ich schreibe es so, wie ich es empfinde bzw. wie ich es erlebt habe. Meine höchste Priorität ist, alle hier zu achten und was mir von jeher fremd ist, Menschen zu beleidigen. Dieses wollte ich mal grundsätzlich zu diesem Beitrag schreiben.

Ich wäre im dritten Band kein Autor gewesen, doch das ist auch nicht wichtig. Mir geht es darum,
wieso dieser Band nicht erscheint. Der Dessauer schreibt von nur einem:

...Plötzlich grätscht ein Mitarbeiter des finanzierenden Teils der Projektgruppe, mit den Worten dazwischen: „Ich glaube grundsätzlich, dass wir uns etwas von den Bänden, in deren Zentrum subjektive Erinnerungen stehen, lösen sollten und Bände dieser Art nur noch veröffentlichen sollen, wenn es hierzu keine vergleichbaren Quellen gibt...

Im neuen Band: …sollten Mitgefangene über ihr Leben nach der Haft berichten, Bürger der Stadt Schwedt ihre Sicht auf das Lager und danach darstellen, sowie Zivilbeschäftigte aus dem Betonwerks, die täglich Kontakt mit Gefangenen hatten...

berichten, doch das kann doch nur auch subjektiv sein und würde sich vom vorliegenden Band nicht unterscheiden. Hat ein einzelner Mitarbeiter des finanzierenden Teils soviel Macht und welche Einstellung hat Frau Grodon vom Stadtmuseum dazu. Auch wäre es wichtig gewesen von Frau Dr. Marie Anne Subklew (Stellvertreterin der Beauftragten des Landes Brandenburg zur Aufarbeitung der Folgen der kommunistischen Diktatur; Potsdam – LAkD) eine Stellungnahme zu diesem Eklat zu veröffentlichen.

Ich schreibe Dir, Detlef, weil ich von anderer Seite keine Antwort erhalte. Es geht hier nicht um mich, es geht um die, die ihre Zeit nach Schwedt beschreiben, das hätte ich lesen wollen, weil ich ihre Zeit gern miterlebt hätte und heute wüsste, wie sie es damals empfanden. Mein Leben kenne ich, doch weiß ich zu wenig von anderen Menschen aus dieser Zeit.

Es ist heute wiedermal ein Tag, wo ich, wie immer, offen schreibe. Ich schreibe immer zu Themen, die mir wichtig sind. Und dieses ist mir sehr wichtig.

Lieber Detlef, ich möchte Euch nicht zu sehr belasten, wenn die Meinung im Forum so sein sollte, das ich zu viel und zu kritisch schreibe, weiß ich, wann ich mich zurückziehen sollte. Ignoriert zu werden, wäre eine Antwort.

Viele Grüße Lacrimo

Lacrimo

Re: Braunhert - Hübner - Polzin "Der DDR-Militärstrafvollzug..."

Beitrag von Lacrimo » 25 Apr 2015, 11:21

Aber deswegen werde ich das Forum nicht verlassen, weil es für mich wichtig ist. In Erinnerung an alte Zeiten habe ich dazu gelernt. Ich bleibe, wie ich bin und werde auch immer schreiben. Es wäre einfach wichtig gewesen. zu erfahren, wie dies mit dem dritten Buch alles zustande kam. Doch finde ich mich auch mit den geschriebenen Beiträgen ab.

Euch allen ein schönes Wochende, viele Grüße Lacrimo

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