" sag dein letztes Gebet - es geht nach Schwedt "

baustus
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Re: " sag dein letztes Gebet - es geht nach Schwedt "

Beitrag von baustus » 11 Jan 2010, 20:55

Heute möchte ich mich wiedereinmal im Forum melden. Ich bin erst jetzt dazu gekommen mir alle Beiträge zu -Sag dein letztes Gebet- durchzulesen. (Alle) Ja, ich bin der Autor und musste feststellen, dass Licht und Schatten wie immer dicht beieinander liegen. Jeder hat Schwedt anders empfunden. Und hier im Forum, so kommt es mir vor, sind einige ganz harte Brocken. Aber bedenkt jedes weiches Wasser hat bisher noch jeden harten Stein durchtrennt. Was will ich damit sagen? Wir sitzen doch alle im gleichen Boot. Es gibt einen Steuermann und die, die rudern. Nur zusammen geht es voran. Und das tut es. Auch mein Buch und die darin enthaltenen Kapitel über Schwedt haben dazu beigetragen. Den Nebel über den Mythos Schwedt ganz und gar zu lichten, das wird schwer. Ich habe aufgeschrieben, was ich erlebt habe. Und ja, ich bin über einen Acker gelaufen, mein Persi lag unterm Teppich und ich habe den Kleinen aus der Scheiße rausgehauen und ich würde es immer wieder tun.
Wie weit wir nicht gehen sollten, wäre uns gegenseitig aus diesem Forum zu katapultieren. Ich hoffe, dass Du Axel noch dabei bist, denn man sagt vieles wenn man in Wut ist. Wenn man eine Nacht darüber geschlafen hat, sollte man die beste Medizin zu sich nehmen die es gibt. Sie heißt -Lachen- . Also für heute an alle Betonschädel, Wattebälchen, Jäger und Gejagte denkt immer daran: Die Zeit heilt alle Wunden, manche nie.

Baustus

Stasi-Forscher
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Re: " sag dein letztes Gebet - es geht nach Schwedt "

Beitrag von Stasi-Forscher » 25 Jan 2010, 09:44

Hallo, Freunde der Aufarbeitung,

es war ja hier zum Buch „Sag dein letztes Gebet“ schon einiges zu lesen; nicht zuletzt wegen des Versuchs der Eigenwerbung. Nun ist das Buch auch in unsere Bibliothek aufgenommen worden und ich habe es inzwischen - halb privat interessiert, halb berufsbedingt - gelesen. Deswegen auch eine ausführlichere Äußerung von mir.

Gleich vorneweg – ich war enttäuscht! Das Buch, das als SCHWEDT-Buch angekündigt wurde, beschäftigt sich auf nur weniger als 40 Seiten direkt mit den Schwedter Verhältnissen bzw. den dortigen Erfahrungen des Autors. Alles andere (nochmal rund 150 Seiten) ist Vor- oder Nachgeschichte. Also wieder so ähnlich wie damals bei Wachtel mit seinem „Delikt 220“.

Und noch eine zweite Vorbemerkung, um nicht wegen der nachfolgenden Äußerungen zum Buch missverstanden zu werden:

Ich gehe wie wohl die meisten hier im Forum davon aus, dass der Vollzug in Schwedt im Vergleich zur Ahndung „gleicher“ Taten im Zivilleben eine unverdiente härtere Variante war; insbesondere bei den politischen „Delikten“. Insofern verdienen die damaligen Insassen mindestens Respekt und Mitleid wegen dieser verschärften Erfahrung. Wenn ich mich dennoch kritisch zum Buch äußere, stellt das also keine Missachtung oder Ignoranz gegenüber Brauhnerts Erfahrung dar!

Zur im Buch geschilderten Geschichte:

Einberufung zum Grundwehrdienst im Mai 1982; Ausbildung zum Funker ...

In diesem Zusammenhang erfolgt dann auch die erste ernsthafte Erwähnung von Schwedt: ein desorientierter Uffz., der ein Nachtschiessen auf einen Schuppen vom Forsthaus initiierte, verschwand in Richtung Schwedt - S. 26.

... Armeealltag ...

Parallel zu allem entwickelte Brauhnert offenbar Fluchtpläne, die er während eines Kurzurlaubs umsetzen wollte (ebenfalls S. 26). Doch vorher wird er verhaftet: nach Ende eines Wachdienstes, bei dem er die Insassen des vor dem Schlagbaum des Objekts haltenden Stasi-Ladas kontrollierte, ereilte ihn die Aufforderung, zum Kommandeur zu kommen, wo direkt seine Festnahme erfolgte (S. 31 ff.). Dem schlossen sich 5 Monate U-Haft an, bevor dann Anklage und Urteil wegen Vorbereitung und Planung zur Republikflucht im schweren Fall erfolgten, wobei Brauhnert kommentiert, dass er bis heute nicht weiß, wofür direkt er eigentlich angeklagt wurde (S. 37). Im Buch werden jedenfalls weder die Fluchtpläne noch die Urteilsgründe weiter ausgeführt. Erkennbar ist nur, dass B. sich zu den „Politischen“ zählte. Nach der Urteilsverkündung folgten weitere 14 Tage in der UHA, dann der Transport mit dem Grotewohl-Express. Beim Verlassen desselben hörte er von einem als LLer vermuteten anderen Gefangenen den Titel-gebenden Spruch: „Sag dein letztes Gebet Junge“ (S. 41).

Hier schließt sich die etwas irritierende Geschichte des Ausstiegs auf freier Strecke an (S. 43), die ja auch schon Gegenstand der Diskussion hier im Forum war. Bezeichnend für Armee und Knast allerdings die schikanöse Situation, in der B. „zur Begrüßung“ im strömenden Regen mit vollem Gepäck über Ackerflächen auf sich ständig entfernende Scheinwerfer zulaufen soll, bevor er kurz vor dem Zusammenbruch auf die Ladefläche des zu den Lichtern gehörenden Jeeps verfrachtet wird (S. 45 ff.).

Was lesen wir dann von Schwedt selbst?

B. schildert die unterschiedliche Nutzung der Baracken des SV: 1. Baracke - erleichterter Vollzug, 2. allgemeiner Vollzug, 3. schwerer Vollzug (Stand 1982/83). Abgegrenzt davon durch einen „Zwitter aus Mauer und Zaun“ lag nebenan der „wahrhaft schwerste Vollzug“; von B. das „Strafbataillon“ genannt: „für die Verbüßung von kurzen Haftstrafen gedacht“ (S. 49 f.) - korrektere Benennung wäre: Dienst in der Disziplinareinheit. „Dort herrschten rund um die Uhr Schliff und Ausbildung unter den schwersten physischen und psychischen Bedingungen“ - S. 53.

Für den schweren Vollzug soll es keine milit. Strafausbildung (mehr?) gegeben haben; nur für die anderen Vollzüge und das „Strafbataillon“ - S. 53. Es soll Verlegungen vom erleichterten und allgemeinen Vollzug zum „Strafbataillon“ (und zurück) gegeben haben, bei denen die Langstrafer gebrochen wurden - S. 53 [Kann diese Verlegungen jemand aus dem Forum bestätigen?]. „Für nicht wenige Gefangene des Strafbataillons“ soll eine Selbstverstümmelung der einzige Weg aus dieser Hölle gewesen sein, was sie auf die Krankenstation des Militärstrafvollzugs geraten ließ - S. 62 f.

Gearbeitet wurde im schweren Vollzug in Schichten in der Kabellampenmontage - S. 53. Die (Frühstücks-) Verpflegung wird von B. als reichlich beschrieben - S. 54.

Prägend wird für B. dann das Tätowieren (S. 59 f.): Dies erfolgte offenbar während der Arbeitszeit (allerdings „nur“ in den Spätschichten) und in der Bude des Wachpersonals (?!?!), unter „Anteilnahme“ mehrerer Zuschauer und zu Lasten einiger weniger anderer SG, die während dessen die Arbeitsnormen der anderen mit zu erledigen hatten. Grundlage für den Einstieg ins Tattoo-Geschäft waren B.s Fertigkeiten im Malen und Zeichnen, die - gekoppelt mit dem Organisationstalent vom Mithäftling „Pumpe“ - zu einem florierenden Geschäft wurden, das an freien Tagen sogar auf den Buden der Baracke betrieben wurde - S. 62.

Im Arrestbunker gab es drei Arresttüren (also Zellen?). Dies entnimmt man einer
skurrilen Szene, die sich beim Besuch des Armeegenerals in Schwedt abgespielt haben soll: Nur per Kopfnicken sorgte der für die Öffnung des Arrestbunkers, um dann die „verwahrloste“ Gestalt eines Arrestanten niederzubrüllen, der jedoch mit ebenfalls voller Stimme konterte: „Gehen Sie mir nicht aufs Schwein!“ - S. 67 ff.

Nach der Schilderung einer mehr oder weniger typischen Armee- bzw. Knastepisode (eine herb-männliche Auseinandersetzung mit einem anderen SG zugunsten eines offensichtlich schutzbedürftigen Mitgefangenen - S. 73 f.) ist auf S. 76 der Aufenthalt Schwedt für den Autor auch schon wieder vorbei. Aufgrund seiner (wiederum nicht erläuterten) Straftat wurde B. in Unehren aus der NVA entlassen und nun in einen zivilen Strafvollzug überführt: über Leipzig ging es nach Schkeuditz.

Es folgen ausführlichere Schilderungen des Knastalltags dort, auf die ich hier nicht weiter eingehen will.

Erst kurz vor Ende des Buches gibt’s noch einen kleinen Hinweis zu Schwedt: In der Schkeuditzer Gerüchteküche war zu erfahren, dass es nach dem Besuch des Armeegenerals in Schwedt eine kleine Amnestie für MSG gegeben habe - S. 171.

B. wird später dann, ca. 2 Monate vor Ablauf seiner Strafzeit, wieder nach Leipzig verlegt (S. 180), um von dort nahezu unangekündigt am nächsten Tag auf Bewährung entlassen zu werden.

Wie lange B. nun genau in Schwedt war, geben seine Schilderungen nicht her.

Soviel zur Buch-Story, insbesondere den Schilderungen über Schwedt.

Dieses Buch zu lesen machte mich sauer und wütend. Wütend zunächst auf den Staat, der seine Untertanen für politisches „Fehlverhalten“ oder entsprechende Meinungs¬äußerungen einsperrte; noch dazu unter Bedingungen, die nicht zumutbar waren und die damals Betroffenen noch jahrelang negativ beeinträchtigten.

Ich ärgerte mich aber auch über den Autor, denn das Lesen war eine Anstrengung; nahezu eine Zumutung! Den Schreibstil fand ich nervig, da er mit einer Unmenge (unnützer) Kommas den Lesefluss stört. Man lese nur die (nicht nummerierte) Seite 5 „Nachfolgenden Generationen gewidmet“. Allenfalls als Vorlage für ein Hörbuch mag es sinnvoll sein, jeden nur denkbaren Halbsatz durch ein oder gar mehrere Kommas abzugrenzen.
An anderen Stellen wiederum (auch in einzelnen Kapitelüberschriften) wünschte ich mir dagegen schon eine deutlichere Abgrenzung durch Komma oder Semikolon.

Aber der Autor scheint seine Schreibweise bewusst einzusetzen, denn schon auf (der wiederum nicht nummerierten) Seite 6 formuliert er einen Satz, der hier mal für sich selbst sprechen soll:

„Einer Schreibweise, die wild, frei und unzensiert, bis auf den letzten Punkt der Kapitel verfasst, eine einmalige Geschichte geworden ist.“

Wie bitte? Eine Schreibweise, die Geschichte geworden ist?

Zu dieser Schreibweise gehören denn auch mehrere Anläufe / Einleitungen, bevor der Haupttext beginnt:
- eine Seite „Nachfolgenden Generationen gewidmet“;
- eine Seite „Anmerkungen des Autors“;
- zwei Seiten mit einer Inhaltsverzeichnis-ähnlichen Übersicht über „Die Episoden“ (allerdings ohne Seitenangaben);
- eine Seite „Damals“ - dann endlich der Text? Nein:
- das „Vorwort“.

Außerdem führte das offenbar fehlende Lektorat dazu, dass neben der oben schon erwähnten fragwürdigen Verwendung von Kommas auch eine Menge Schreibfehler enthalten sind, die den Lesefluss sehr empfindlich stören.

Und dann bleibt noch einiges andere fragwürdig:

Es ist missverständlich, wenn der Autor von der Maximalstrafe von 2 Jahren für Vorbereitung und Planung zur Republikflucht im schweren Fall schreibt (S. 9): Das Strafmaß hierfür betrug bis zu 8 Jahre. Insofern kann sich das vom Autor erwähnte Maximale an der Strafe nur auf die mögliche Anwesenheit in Schwedt beziehen.

Es erscheint mir übertrieben, zu behaupten, 2 Jahre Schwedt hätte noch keiner geschafft (S. 9 + 48). Interessant ist jedoch, dass zu seinem Antritt in Schwedt kein anderer mit dieser Maximalstrafe von 2 Jahren vor Ort gewesen sein soll - S. 53.

Unverständlich ist mir die Pseudonymisierung des Armeegenerals Heinz Hoffmann zu Herrmann „Heinzi“ Heinrich / Heinzrich (S. 7 + 63 ff. – wobei hier auch noch wechselnde Schreibweisen verwandt werden). Ein derartiger Besuch des NVA-Chefs wird übrigens in der von der Disziplinareinheit selbst erstellten Chronik ihrer Geschichte gar nicht erwähnt. Lediglich ein „Militärischer Appell anlässlich des 27. Jahrestages der NVA unter Anwesenheit des Generalmajor Magnitzke, Stellvertreter des Chefs des Hauptstabes für allgemeine Fragen“ wird für den relevanten Zeitraum dort aufgeführt (dies dürfte also den 18.1. oder 1.3.1983 meinen - je nachdem, ob das Gesetzesdatum oder der „Tag der NVA“ als Anlass genommen wurde; Chronik der DE S. 12 - siehe Bundesarchiv DVW 5-16/74001).

Technisch fragwürdig ist die Bezeichnung der Kalaschnikow als Maschinengewehr (S. 24) - in der Terminologie der NVA galt sie als Maschinenpistole. (Aber was rede ich als ehem. Bausoldat von den Waffen? Ich beziehe mich hierbei auf Wikipedia.)

Unappetitlich und kein Ruhmesblatt für die „Politischen“ ist, wie der Rachefeldzug gegen einen schikanösen (Schkeuditzer) Mitgefangenen detailliert geschildert wird: Diese Rache artet eigentlich in Folter aus - S. 158 ff. Und selbst hier gibt‘s wieder die Text-Schlampigkeiten: zweimal wird der Name des Opfers mit dem eines Rächers verwechselt - S. 159.

Durchaus lesenswert fand ich aber die reflektierenden Gedanken über die eingeschränkten Wahrnehmungen im Knast und deren Folgerungen (S. 37 – hier mit leicht veränderter Kommasetzung wiedergegeben):

„Man hat nicht viel gesehen. Aber das, was man gesehen hat, möchte man am liebsten wieder vergessen. Man hat auch nicht viel gefühlt. Aber das, was man gefühlt hat, möchte man nie wieder fühlen. Ja und man hat auch über vieles nachgedacht, über das man eigentlich nicht nachdenken sollte. Und man kann es keinem verübeln, der die einen oder anderen Gedanken bis heute nicht aufgegeben hat.“

Das ist es doch, was viele hier im Forum bewegt. Und vielleicht ist es auch genau deswegen gut, dass es dieses Buch gibt.


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zippl65
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Re: " sag dein letztes Gebet - es geht nach Schwedt "

Beitrag von zippl65 » 28 Jan 2010, 17:33

Hallo an alle,

lieber Stasiforscher, danke für Deine Ausführungen.
Ich werde mir dieses Buch sicherlich nicht antun, auch wenn ich der Meinung bin dass jeder der dort war alles anders wargenommen hat muss doch das Erlebte das Gleiche gewesen sein.
Wenn ich höre das der Autor für versuchte oder geplante Fahnenflucht mit Republikflucht nach Schwedt kam, wundert mich dies schon.
Ich wollte damals das Staatsgebiet der DDR auch verlassen, als ich in der U-Haft meine Verteidigung selbst in die Hand nahm und dabei auch Gesetzesbücher las, konnte ich einem Buch entnehmen das dieses Delikt mit mind. 5 Jahren Freiheitsentzug bestraft wird. Nach Aussage eines Militärstaatsanwaltes wäre dies bei Verurteilung mit der Entlaasung aus der NVA verbunden und hätte ein Verbüßen der Strafe im zivilen Vollzug zur Folge. Dies war ja auch der Grund warum ich mein Vorhaben, wie schon geschildert, nicht hab aus mir herausprügeln lassen.
Auch die Bezeichnung der Baracken und so einige geschilderte Abläufe kann ich nicht nachvollziehen.
Was mir auch suspekt erscheint ist die Tatsache das der Autor ja einige Zeit in Schwedt verbracht hat aber nur sehr wenig von dieser Zeit berichtet. Für mich sind die in U-Haft und Schwedt verbrachten Monate die, die mir am längsten im meinem Leben vorkamen und die ich auch am intensivsten erlebte.

Ich habe auch schon lange mit dem Gedanken gespielt mein Erlebtes niederzuschreiben und bin auch der Meinung das eine Vorgeschichte und ein Leben danach dazugehört, der Titel sollte dann aber sicherlich mehr in Richtung Biographie gehen.


Viele Grüsse und noch alles Gute für das laufende Jahr, Hartmut

tina
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Re: " sag dein letztes Gebet - es geht nach Schwedt "

Beitrag von tina » 30 Jan 2010, 15:20

Es waren nur selten MSG in Schwedt, die die "Höchststrafe" 2 Jahre absitzen mussten. Meisst wurden solche "Straftäter" entweder zu 12-18 Monaten verurteilt, oder zu wesentlich mehr. Oder es wurden mehrere Verurteilungen zusammengefasst. Z.B. "Nachschlag". So ist es durchaus möglich, dass 1982 keine MSG waren, die längere Haftstrafen abzusitzen hatten.
Die Ausführungen von Stasiforscher sind grandios gut, nahezu perfekt recherchiert und man sollte hier versuchen, seinen Aussagen weit mehr Glauben zu schenken, als so manchem Forenschreiber. So habe ich z.B. gelesen, dass es Strafgefangenen gelungen sein soll, durch Gitterstäbe zu kriechen und über den Apellplatz zu laufen ( nachts ) . Ein solches Märchen hätten nur die Gebrüder Grimm besser erfinden können. Die Namen wären der Kompanieleitung eher bekannt gewesen, als man nur einen einzigen Gedanken fassen konnte. Da gab es den 349 Briefkasten, in dem alles, aber auch wirklich alles gelandet ist, was irgendwie vorgekommen ist und wo mehr als eine Person beteiligt war.

betonwerk
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Re: " sag dein letztes Gebet - es geht nach Schwedt "

Beitrag von betonwerk » 31 Jan 2010, 18:15

durch die gitterstäbe brauchte man garnicht kriechen..... waren keine vor den fenstern. (sommer/herbst 78)

Steffen
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Re: " sag dein letztes Gebet - es geht nach Schwedt "

Beitrag von Steffen » 04 Mai 2010, 19:56

Ich meine, dass manches sehr überzogen klingt. Nun gut, ich war nicht da und kann mich nur an den Erzählungen der Dagewesenen orientieren.
Beim Treffen im Jahre 2009 wurden von den Anwesenden keine derartigen Horrorgeschichten erzählt. Entweder wurde vieles verdrängt, oder wie es meist ist nur die " schönen Erlebnisse" behalten.
Leider bin ich nicht mehr im Besitz des Buches, um auf Details eingehen zu können.

Gruß
Steffen

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Re: " sag dein letztes Gebet - es geht nach Schwedt "

Beitrag von UweWernerSchierhorn » 05 Mai 2010, 07:54

Alle bisher veröffentlichten Bücher von Betroffenen sind Autobiografien EINER Person (oder irre ich mich ?). Also gibt es im Buch immer nur EINE Perspektive. Das finde ich etwas schade, weil der Leser so vielleicht nur mit Extermfällen konfrontiert wird (?). Sammelbiogarafien wären ein Ausweg, pro Person ca. 5 - 10 Seiten, nur das Wesentlichste und Wichtigste. Ich hab versucht, sowas anzukurbeln, bisher leider ohne Erfolg ("Schreckenswort Schwedt"). Naja, ist halt ein sensibles Thema...

MfG

Uwe

baustus
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Re: " sag dein letztes Gebet - es geht nach Schwedt "

Beitrag von baustus » 05 Mai 2010, 09:13

hallo uwe und an alle,

die idee über ein solches buch ist nicht wirklich neu. sie scheiterte bisher auch nicht direkt am forum, eher an den vorstellungen seiner umsetzung. ich persönlich halte dieses projekt für noch nicht gescheitert. es gibt eben projekte, die etwas mehr zeit brauchen, für sich. was ich für ein solches buch, von mitgliedern dieses forums geschrieben, als überaus wichtig ansehe wäre: " ist überhaupt die bereitschaft, der wille vorhanden, an solch einem buch mitzuwirken, bei mitgliedern dieses forums << zu diesem zeitpunkt >>. nicht jeder ist eben breit oder überhaupt so weit über das, was er in schwedt erlebt hat, dann auch in der öffentlichkeit in form eines buches für alle also, die öffentlichkeit, zu berichten, denn man gibt etwas preis, preis von sich. ich selber habe mit meinem buch:< sag dein letztes gebt> einen ersten anstoß gegeben auch provoziert und andere aus ihrer reserve geholt, habe bewußt erlebtes krass dargestellt, so wie ich es damals empfunden hatte. andere werden nachziehen! ganz sicher wäre es sinnvoll wenn wir diese anderen sind. jeder hat etwas in schwedt erlebt, herausgefunden oder betrachtet, dass es lohnen würde aufzuschreiben. aber das ist meine meinung. wie ist eure!
gruß baustus

baustus
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Re: " sag dein letztes Gebet - es geht nach Schwedt "

Beitrag von baustus » 12 Sep 2013, 19:57

buchlesung-spür die angst- am 09.09.13 in lübbenau (es geht immer um die gurke)

gerne greife ich heute noch einmal das bereits fast 4 jahre alte thema: -sag dein letztes gebet- auf. mit dem buch -spür die angst- hatte sich ja nun die vision eines gemeinsamen zeitzeugenbuches realisiert. so erfüllt es mich heute doch, trotz aller widersacher, mit stolz, dass diese buch und natürlich auch das 2.(liegt derzeit beim verlag und kommt im november 2013 in den buchhandel) in diesem umfang der öffentlichkeit präsentiert werden kann. ... und natürlich haben sich viele der aussagen im buch -sag dein letztes gebet- , die damals, als, mehr als fraglich hingestellt wurden, als zutreffend erwiesen... auch wenn man sich heute bemüht alles "gewählter ausgedrückt" darzustellen... so bleibt die erkenntnis ein und die selbe: schwedt war nur ein beispiel des diktatorischen bestrafungsmechanismus in der "diktatur des proletariats"... mit militärischen maßstäben, die jedoch bezogen auf dem (militär)-strafvollzug in schwedt eher eine untergeordnete rolle spielten. in der "DE" sah es dagegen etwas anders aus. jedoch fällt es mit unter schwer, dem aufmerksamen und teilweise geschulten zuhörer/publikum klar zu machen, dass es sich hier um eine reine willkürliche maßnahme gehandelt hat, der inhaftierung in de "DE", da von den zumeist männlichen fragestellern, das ohnehin "militärische" in der ehemaligen NVA, als relativ, auf die damalige zeitepoche gesehen, normal angesehen wird. und, natürlich der nachweis auf vorrangig politisch motivierte delikte bleibt aus, denn so war es ja nicht, auch wenn man aus heutiger sicht sich alles politisch "drehen" könnte... aber so war es nicht... und über diese "geschlagene" brücke sollte auch keiner gehen, der nicht von sich behaupten kann damals aus -rein politischen- motiven gehandelt zu haben. so sollten aus fester überzeugung heraus die zeitzeugenbücher, dass bleiben, was sie sind: erlebnisberichte ehemals inhaftierter die, bis nach mehr als 40 jahren zurück, bereit sind ihr Erlebtes der öffentlichkeit darzulegen. "die geschilderten erfahrungen kann man nicht als so außergewöhnlich bezeichnen. denn erst, wenn jeder ehemals inhaftierte des militärstrafvollzuges-und mehr noch des gesamten militärgefängnisses, das persönliche, unmittelbar widerfahrene niederschreiben und betrachten würde, dann wäre die gemeinsame erkenntnis(ungeachtet der einerseits vorhandenen vielfalt und des anderseits zu unrecht erlebten) dieselbe: "Das ganze Schweigen hatte die schlimmsten Gerüchte zur Folge gehabt."

baustus

Steffen
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Re: " sag dein letztes Gebet - es geht nach Schwedt "

Beitrag von Steffen » 20 Sep 2013, 10:32

Buchlesung in Eberswalde
MOZ vom 19.09.2013
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