" sag dein letztes Gebet - es geht nach Schwedt "

harald
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Re: " sag dein letztes Gebet - es geht nach Schwedt "

Beitrag von harald » 03 Dez 2009, 08:37

Hallo F.Mayer,
eine direkte Weisung von oben gab es nicht. Aber ich gebe dir recht, es gab solche und solche. Auch ich war in meinen Jahren nicht gerade "beliebt" bei den Bestraften.
Bei den DB´s war es so gewesen, dass der eine oder andere schon innerhalb der ersten Stunden negativ aufgefallen ist oder vom ersten Anblick her einen unsympatisch vorkam. Wenn solche Fälle auftraten, dann hatte man sich diese besonders ans Herz gelegt, was sie auch bei jeder Situation zu spüren bekamen, mitunter auch aus den eigenen Reihen.

Harald

F.Mayer
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Re: " sag dein letztes Gebet - es geht nach Schwedt "

Beitrag von F.Mayer » 03 Dez 2009, 10:20

Danke für die Antwort! Mich muss dann wohl Stabsoberfähnrich G ganz besonders in sein kleines Herz geschlossen haben. Denke ich an Schwedt, dann denke ich an Ihn! Harald, hast du denn noch priv. Kontakt zu deinen ehemaligen "Kollegen"? Hier im Forum bist du ja wohl der einzige vom Personal!? Wir sind ja nun etwas vom eigentlichen Thema abgewichen. Ich denke man muss grundsätzlich zwische MSG und DE unterscheiden. Mir zum Beispiel wurde gesagt, dass ich durch die sehr schnelle Kommandierung in die DE um eine höhere Bestrafung herumgekommen sei. Natürlich wollte man in meiner Einheit den Vorfall so schnell wie möglich vergessen lassen. Ich war wohl auch der erste nach sehr langer Zeit der das "Vergnügen" hatte. Nach meiner Rückkehr ging es aber Schlag auf Schlag. Schon für verhältnismäßig kleinere Vergehen wurde man in die DE geschickt. Es gab das Gerücht von Rundschreiben an die Einheiten "Schwedt braucht Leute". Hab keine Ahnung ob da so stimmt.

F.Mayer

harald
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Re: " sag dein letztes Gebet - es geht nach Schwedt "

Beitrag von harald » 04 Dez 2009, 09:09

Leider habe ich zu keinen Leuten mehr Kontakt, da ich 1990 von Schwedt weg bin. Bis vor einigen Jahren, glaube bis ca.96, hatte ich mit einen ehemaligen "Kollegen" noch Verbindung, die dann leider auch abgebrochen ist. Soweit mir bekannt ist bin ich wahrscheinlich wirklich der Einzige, aber wir wissen ja nicht, wer alles noch mitliest aber sich "noch" nicht als Ehemaliger vom Personal zu erkennen gegeben hat.
Zwischen MSG und DE muss wirklich unterschieden werden, da einige Abläufe und andere Dinge unterschiedlich geregelt wurden(als Beispiel die Ausbildung, im MSG nicht ganz so extrem).
Ob wirklich ein Rundschreiben existiert hat weiß ich nicht, wäre aber durchaus denkbar.
Ich denke aber die Kommandeure haben die Leute lieber für ein bis drei Monate nach Schwedt geschickt als die Militärstaatsanwälte in ihren Regimentern ermitteln zu lassen, wo vielleicht auch für die Kommandeure unangenehme Dinge zur Sprache gekommen wären.

Harald

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Dresdner
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Re: " sag dein letztes Gebet - es geht nach Schwedt "

Beitrag von Dresdner » 04 Dez 2009, 12:05

Also, ob es so ein Rundschreiben gegebenhat, mag ich etwas bezweifeln ( weiß es aber natürlich auch nicht genau )

Der Weg war doch wie folgend :

- Bestrafung zum Dienst in der DE
- Meldung und Abstimmung mit Abt. Inneres beim Ministerium
- Kommandierung zur DE

Mann sollte ja auch mal folgende Überlegung mit einbeziehen :
Es ist ja für den jeweiligen Kommmandeur nicht gerade ein Ruhmesblatt gewesen, wenn aus seiner Einheit Leute nach Schwedt kommandiert wurden. Der Polit ( inkl. der Politorgane ) waren da dann ziemlich schnell mit solchen Begriffen wie : Unfähigkeit zur Truppenführung, Unfähigkeit zur Erziehung der Soldaten zu einer sozialistischen Soldatenpersönlichkeit ( was imme das auch sein mag ) usw....
Also..karrierefördernd war das für die jeweiligen Kommandeure sicher nicht

dresdner

Steffen
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Re: " sag dein letztes Gebet - es geht nach Schwedt "

Beitrag von Steffen » 04 Dez 2009, 19:12

Ich möchte folgendes dazu sagen.
Nehmen wir mal die Todesstrafe.
In den meisten Ländern der Welt hat es sie gegeben bzw. gibt es sie noch.
Der letzte der , mit dem Verurteilten Kontakt hatte, war der " HENKER ". Per Gesetz war dieser von seinem Staat verpflichtet, die Hinrichtung durchzuführen, egal in welcher Art und Weise.
Nach der Wende mussten sich in der DDR viele Richter und Staatsanwälte verantworten, die die Todesstrafe verhängt bzw. beantragt hatten.
Der HENKER als solcher, wurde nicht belangt, weil er im Auftrag seines Staates gehandelt hat.
Er hat vielleicht eine gewisse moralische Schuld, aber er konnte nie ( in allen Gesellschaftsordnungen ) belangt werden und ist es auch nicht. Der Henker der DDR hat sich auch nach der Wende zu erkennen gegeben.
In seiner Hand lag das Leben des Verurteilten, denn er hat es beendet.
In diese Hinsicht waren die Bewacher der Strafvollzugseinrichtungen, unter anderem auch des Militärstrafvollzuges, Werkzeuge des Staates, die verpflichtet waren, die geltenden Gesetze durchzusetzen.
Wie diese durchgesetzt wurden, lag an jedem selbst. Einer hat sich so verhalten und der andere so.

Ein HENKER hatte keine Chance, seine Tätigkeit so oder so durchzuführen. Er hatte nur die Aufgabe, das Leben des Deliquenten zu beenden.

axel

Re: " sag dein letztes Gebet - es geht nach Schwedt "

Beitrag von axel » 04 Dez 2009, 20:32

solchen blödsinn habe ich selten gelesen. wer bitteschön wurde zum henker verpflichtet in der ddr? es wurde auch niemand gezwungen, wärter in schwedt zu werden. es wurde übrigens auch niemand gezwungen, in die sed einzutreten oder IM zu werden. all diese dinge wurden freiwillig getan, oder man war erpressbar.
trotzdem möchte ich betonen, dass ich mit harald hier gar kein problem habe, im gegenteil. er gibt zumindest zu, fehler gemacht zu haben. das tun bei weitem nicht alle, die etwas auf dem kerbholz haben.
wie ich das für mich selbst bewerte, das ist meine sache. ich bin eben übervorsichtig.
trotzdem sollten wir den grund des eintrages hier nicht vergessen. es geht um das buch, welches ich noch nicht gelesen habe, was ich aber nachholen werde. es sollte nämlich kein tag vergehen, an dem wir an das zum himmel schreiende unrecht: schwedt , nicht erinnert werden.
schliesslich müssen wir uns ja auch immernoch an das unrecht erinnern lassen, welches unsere großväter begangen haben.
es ist an der zeit, dass sich ehemalige kollegen von harald hier einbringen. es wäre zumindest eine geste!

betonwerk
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Re: " sag dein letztes Gebet - es geht nach Schwedt "

Beitrag von betonwerk » 05 Dez 2009, 16:47

wenn ehemalige kollegen(haralds)einige beiträge hier lesen,dann werden sie den teufel tun sich hier zu melden.... selbst wenn sie nichts auf dem ´Kerbholz´hatten. sollten sie sich in endlosen beiträgen, immer wieder (selbst) asche aufs haupt streuen (lassen) ? solche politischen beiträge zum thema (unrechtsstaat ddr, menschenunwürde in schwedt), die lesen die 3 bis 4 mal, und dann finden sie herraus ,das man sich im kreis dreht ,und auch keinen gemeinsamen nenner mehr findet. sicherlich hat dieses thema auch seine berechtigung, aber ob das hierhergehört ? ich hab mir die satzung des forums durchgelesen und zwar bevor ich angefangen hab mich zu einzelnen themen zu äussern.

Steffen
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Re: " sag dein letztes Gebet - es geht nach Schwedt "

Beitrag von Steffen » 05 Dez 2009, 18:03

Hier der letzte Henker der DDR und etwas mehr zum Thema.

http://www.mdr.de/damals/archiv/6111531.html

Steffen
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Re: " sag dein letztes Gebet - es geht nach Schwedt "

Beitrag von Steffen » 05 Dez 2009, 18:07

axel hat geschrieben:solchen blödsinn habe ich selten gelesen. wer bitteschön wurde zum henker verpflichtet in der ddr? es wurde auch niemand gezwungen, wärter in schwedt zu werden. es wurde übrigens auch niemand gezwungen, in die sed einzutreten oder IM zu werden. all diese dinge wurden freiwillig getan, oder man war erpressbar.
trotzdem möchte ich betonen, dass ich mit harald hier gar kein problem habe, im gegenteil. er gibt zumindest zu, fehler gemacht zu haben. das tun bei weitem nicht alle, die etwas auf dem kerbholz haben.
wie ich das für mich selbst bewerte, das ist meine sache. ich bin eben übervorsichtig.
trotzdem sollten wir den grund des eintrages hier nicht vergessen. es geht um das buch, welches ich noch nicht gelesen habe, was ich aber nachholen werde. es sollte nämlich kein tag vergehen, an dem wir an das zum himmel schreiende unrecht: schwedt , nicht erinnert werden.
schliesslich müssen wir uns ja auch immernoch an das unrecht erinnern lassen, welches unsere großväter begangen haben.
es ist an der zeit, dass sich ehemalige kollegen von harald hier einbringen. es wäre zumindest eine geste!



Es wurde auch niemand gezwungen Straftäter zu werden !!!!!

axel

Re: " sag dein letztes Gebet - es geht nach Schwedt "

Beitrag von axel » 05 Dez 2009, 18:50

ich glaube, ich verabschiede mich aus diesem forum.
lieber steffen, ich war kein straftäter nach internationalem recht. befasse dich mal mit dem thema § 220.
ich habe hier jedenfalls die nase voll. ehemalige häftlinge, die hier schreiben, dass es ja gar nicht so schlimm war, die wärter waren auch ganz lieb und taten ja nur ihre pflicht...... leute, bitte mit mir nicht. henker sind keine straftäter. ja, wo leben wir denn?
ich hab hier genug gelesen. ich glaube nicht mehr an gerechtigkeit.
ihr könnt euch dann bitte ohne mich mit wattebällchen bewerfen.

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