Mythos Schwedt

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Mythos Schwedt

Beitrag von Dresdner » 17 Okt 2008, 16:03

Wie kam es zum Mythos Schwedt ?

Die wenigsten waren dort - aber jeder kannte den Begriff " Armeeknast" Schwedt.
Alleine schon der Name verbreitete Angst und Schrecken.
Er ließ knallharte EK schwitzen,zittern und bangen und schwebte wie ein Schwert über den Armeeangehörigen.

Kaum einer wußte, wie es dort zugeht, wie dort die Bedingungen sind - kurz: Was Schwedt wirklich war.

Die wenigen, die dort waren sprachen kaum oder nur in Andeutungen über das erlebte.
Und über das was der Mensch nicht genau weiß, kann trefflich spekuliert werden.
Einer hat es von einem gehört, der es allerdings auch nur von einem anderen weiß, der auch selbst nicht dort war.. aber es weiß.
Das erinnert etwas an ein altes Kinderspiel "Stille Post", wo man dem Nebenmann ins Ohr flüsterte,was man glaubte vom Vorredner verstanden zu haben.
Betrachtet man die Zahl der Inhaftiereten , so gab es nur eine fast verschwindend geringe Zahl von Leute, die überhaupt etwas hätten erzählen können.
Um den Mythos etwas zu entschleiern und zu erhellen mal paar grundsätzliche Überlegungen und TATSACHEN :

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Empfinden von Gefangenen

Beitrag von Dresdner » 17 Okt 2008, 16:04

Das subjektive Empfinden von Gefangenen

Jeder Mensch, der in Gewahrsam des Staates ist ( sei es U-Haft oder Absitzen der Freiheitsstrafe ) empfindet diese "Freiheitsberaubung " natürlich als bedeutenden Einschnitt in sein Privatleben.
Dazu kommt, das vermutlich die wenigsten zugeben, zu Recht ( entsprechend den geltenden Bestimmungen) einsitzen zu müssen.
Zugeben,das sie gegen Rechtsnormen verstoßen haben und nun dafür bestraft werden.
Justitzirtümer sollen bei dieser Überlegung außen bleiben.

Nun soll ja letzthin die Freiheitsstrafe das sein,was auch schon das Wort sagt : Strafe.
Das dabei mit vielen Einschränkungen gegenüber dem Zivilen- und Privatleben gearbeitet wird, liegt ja in der Sache selbst begründet.
Und somit ist wohl die Freiheitsstrafe und das verbringen derselben in den dazu geschaffenen Räumlichkeiten ( im Volksmund Knast) in keinem Staat und Rechtssystem der Welt ein Vergnügen.

Aus diesen Gründen wird wohl ein veruteilter Straftäter ( egal ob Taschendieb oder Mörder) am Rechtssytem sowie deren Verwirklichung ( also verbüßen der Freiheitsstrafe) nichts gutes finden und auch so entsprechend sich äußern und auch das persönlich erlebte darlegen.
Da die wenigsten diese Schilderungen überprüfen können, kann natürlich auch etwas geschummelt werden um sich selbst als tragisches Opfer der Justitz darzustellen.
Gleichzeitig kann dargestellt werden, wie grausam und unmenschlich der "Knast " ist .
Auch hier soll nicht verallgemeintert oder abgewertet werden, denn nachgewiesener Weise, gab es auch in den Strafvollzugseinrichtungen der DDR Übergriffe und Grausamkeiten.

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Örtlichkeiten

Beitrag von Dresdner » 17 Okt 2008, 16:05

Durcheinanderwirbeln von Begriffen
1.Die Örtlichkeit


In den Zeitungsberichten u.ä. liest man immer wieder vom "Armeeknast Schwedt", der seit den sechziger Jahren Angst und Schrecken verbreitet.

Richtig ist allerdings, das es den "Knast der Armee "nur in den Jahren 1982 bis 1989 gegeben hat - mithin rund 7 Jahre.

Bis 1982 war Schwedt eine Strafvollzugseinrichtung des Ministeriums des Inneren, in welcher Verurteile aller bewaffneten Organe die Freiheitsstrafe verbüßten.

Trennen muß auch zwei Sachen, die gern vermischt wird :

Es gab :
- das Militärgefängnis zum Verbüßen einer Freiheitsstrafe aufgrund einer Verurteilung
- die Disziplinareinheit , wo der "Dienst in der Disziplinareinheit" für eine Dauer von 1 bis 6 Monaten verrichtet wurde.

Obwohl beide auf dem selben Gelände lagen, war es nicht das gleiche.
Umgangsprachlich hat sich der Begriff " Armeeknast Schwedt" eingebürgert.

Zur Verdeutlichung der Problematik die Darstellung des Gesamtkomplexes Schwedt :
Dateianhänge
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Re: Mythos Schwedt

Beitrag von Steffen » 19 Okt 2008, 19:32

Hier mal eine andere Ansicht

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Re: Mythos Schwedt

Beitrag von Dresdner » 19 Okt 2008, 19:35

Was ist das schwarz eingerahmte am unteren Bildrand ?

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Re: Mythos Schwedt

Beitrag von Steffen » 19 Okt 2008, 19:39

Ist die Bezeichnung für die Bundesstraße 2 ( neu ). Wurde erst nach der Wende gebaut.

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Re: Mythos Schwedt

Beitrag von Rolf » 21 Okt 2008, 12:47

Ich hatte zweimal mit Leuten zu tun, die in Schwedt eingesessen haben und beide Male war es während meiner Dienstzeit im AB-1 in Lehnin.
Das erste Mal lernte ich Oltn. H. kennen, der seinerzeit, als das Unglück mit dem Schwimmpanzer geschah, wo mehrere Kinder eines Kinderferienlager ertranken, gerade die Komp. führte, zu der der Panzer gehörte. Die Truppe selbst war im Ernzeeinsatz und so wurde der Dienst etwas lax gehandhabt. Oltn. H. hatte mit der Sache an sich nichts zu tun, er hatte allerdings die Ausbildungsmaßnahme genehmigt und hat den diensttuenden Ultn. das "Ding schaukeln lasse", so will ich es mal salopp formulieren. Genaueres weiß ich ja auch nicht, ich kam erst wesentlich später in diese Truppe. Damals war es ja auch noch kein Btl. sondern eine Aufkl.-Kp.
Jedenfalls wurde Oltn. H. durch den Militärstaatsanwalt verantwortlich gemacht und mußte längere Zeit (ich glaube, es wahren mehrere Jahre) in Schwedt zubringen. Er hat nie darüber gesprochen und sich bald, nachdem er wieder in der Truppe war, entlassen lassen.
Ich habe sein Schicksal als etwas tragisches empfunden. Letztendlich hatte er ja nichts mit dem Unglück direkt zu tun, er war nicht mal unmittelbar anwesend. Trotzdem- er war für die Truppe verantwortlich und so mußten eben Köpfe rollen.

Das zweite Mal kam ein Soldat zu mir in die Kompanie, der nach Verbüßung seiner Strafe seine Restdienstzeit zu absolvieren hatte. Er hatte sich seinerzeit mit einem LKW unerlaubt von der Truppe entfernt, dabei einen Unfall mit Sachschaden, aber keinen Personenschaden, verursacht und wurde dafür nach Schwedt geschickt. Er hatte wohl noch Bewährung, denn so einen disziplinierten Soldaten habe ich so schnell nie wieder erlebt. Von ihm habe ich etwas, nicht viel, über den Ablauf im Armee-Strafvollzug erfahren können. Dazu in einem anderen Beitrag.

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