Erster Tag

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Macky
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Re: Erster Tag

Beitrag von Macky » 24 Okt 2009, 12:36

Der Fingerling diente dazu in Deinem Rektum nachzutasten ob Du unerlaubte Gegenstände mit hast. Heute braucht man für so etwas eine richterliche Anordnung und heißt glaube ich sogar Leibesvisitation, aber da kann Harald glaube ich genauere Auskunft geben.
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harald
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Re: Erster Tag

Beitrag von harald » 24 Okt 2009, 16:42

Man muß nicht unbedingt die richterliche Genehmigung einholen, da gibt es einen § im StVollzG(Strafvollzugsgesetz), das ist der § 84, danach kann in begründeten Verdachtsfällen eine körperliche Durchsuchung durchgeführt werden.
Im Absatz 1 - nur Abtasten
Absatz 2 - mit Strepteas und Körperöffnungen(also könnte da auch der Fingerling zum Einsatz kommen)
den genauen Wortlaut habe ich nicht im Kopf(man muß nur wissen wo es steht) aber sinngemäß kommt es in etwa so hin.
Für Untersuchungsgefangene gibt es die (noch) Untersuhungshaftvollzugsordnung (UVollzO) da gilt analog Nr.61.

212562-20-
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Erster Tag

Beitrag von 212562-20- » 20 Feb 2014, 00:22

Schwedt kein Sommermärchen

der Transport oder die fahrt nach Schwedt

natürlich mit Begleitkomando damit ich auch pünktlich da ankomme
natürlich war er verdeckt bewaffnet (Pistole) Kalaschnikow wäre im Zug zu auffällig gewesen
die Angst das ich im was antun oder einfach abhauen könnte stand ihm in seinem Gesicht geschrieben so bemühte er sich die ganze fahrt über sehr freundlich und kumpelhaft zu mir zu seien
mir tat er einfach nur leid er konnte ja nichts dafür das sie ihn dafür ausgesucht hatten.

der Einzug

pünktlich mit Quittung und Unterschrift wurde ich abgeliefert.
Die Erleichterung bei meinem Begleitkomando das es mich abgeliefert hatte
konnte man fast körperlich spüren.
Ein netter älterer Herr nahm sich mich meiner an.
Papierkram Nummer zuweisen alles abgeben Geld Briefmarken Schlüssel usw.
freundliche Worte das ich ja wen ich mich ordentlich führen würde früher entlassen werden könnte.
Danach wurde ich weiter gereicht an einen anderen Herren der war dann nicht mehr so freundlich
es ging los als Strafgefangener 212562.

Ab in die BA – Kammer
dort erst mal nackt ausziehen vor allen die gerade dort waren.
Während der Herr nach schaute ob ich nicht eine Kalaschnikow im A.... versteckt hatte
filzten die in der BA – Kammer beschäftigten Strafgefangenen meine Sachen und
klauten mir dabei ein großen teil meiner Zigaretten und meine Uhr
(Ruhla mit meinen Initialen auf dem grünen Zifferblatt),
die der netter älterer Herr vergessen hatte mir abzunehmen.
Eine Kalaschnikow oder sonst was wurde übrigens in meinem A... nicht gefunden.
Die drei Geldscheine (zwei 20er und ein 10er),
man braucht ja Geld wen man da wieder rauskommt.
haben sie nie gefunden.
Diese waren immer bei mir die ganze zeit.
Dann ab in die Zelle mit mir und den Klamotten die ich haben durfte.
Dort die Frage wie viel.

Die Arbeit

Am nächsten Morgen ab zur Arbeit ins Betonwerk.
Strafgefangenen „ Name“ man hatte mit seiner Nummer zu antworten.
Belehrung was ich wann wo zulassen hatte.
z.B. nie ohne Begleitung durch den „Anleiter“ alleine durch das Betonwerk gehen.
Wie oft ich diese Regel verletzt hab?
Unzählige male wen mal wieder ein Bewehrungskorb gefehlt hat.
Einfach in die Eisenbiegerei gelaufen und den Bewehrungskorb geholt.
War mir sozusagen wurscht war ja schon eingesperrt was sollten sie mir da noch antun können.
Als Betonwerker kannte ich mich ja aus mit jeder Arbeit in einem Betonwerk.
Nur das Freiluft Betonwerk war neu für mich aber die arbeiten waren ja sowieso die gleichen.
Formen öffnen reinigen neu bestücken beton rein bekiesel abdecken Dampf rauf fertig.
Als der „Anleiter“ bemerkt hat das ich was kann hat man mich weitgehend in ruhe arbeiten gelassen.
Die Arbeit im großen und ganzem war nicht leichter oder schwerer als in einem normalem Betonwerk.

Sonderarbeit 1974

Transport Sonnabends auf ein weit abgelegenes Rübenfeld.
Ich weiß nicht mehr genau wann denke es war November oder Dezember 1974
Mit Grabegabeln die Rüben aus den schlammigen Boden holen
das Kraut abschlagen und zusammen stapeln.
Der eine oder andere wird sich noch sicher daran erinnern.
Wenigstens das Essen war da gut und reichlich.
Diese Arbeit wurde nicht bezahlt.
Warum auch wir waren ja nur Sklaven.

Entlassung

Bei der Entlassung habe ich Namen und Adressen aus dem Knast geschmuggelt.
Diese haben sie bei der Durchsuchung am Tag meiner Entlassung nicht gefunden,
Obwohl sie genau da am Körper nach geschaut haben wo ich sie verstecken wollte.
Ich ahnte das mich einer verraten würde.
Hatte sie deswegen nicht dort wo er gesucht hat sondern im Mund.
Eine leere Tintenpatrone gefüllt mit den Adressen
geschrieben auf den Zwischenblättern vom Zigarettenpapier.
Klamotten einpacken Uniform anziehen dann wurden wir zum Bahnhof gefahren.
Ab zurück in die Einheit von der wir gekommen waren.
Hunger auf dem Umsteigebahnhof in P.
Schnitzel essen in der Bahnhofsgaststädte Geld hatte ich ja gebunkert gehabt.
Danach hat es mich regelrecht umgehauen hab das Essen nicht vertragen war zu gehaltvoll.
Vom Bahnhof wurde ich nach dem Zusammenbruch in das Armeekrankenhaus in P. transportiert
wo sich der Arzt über mein Gewicht gewundert hat,
knapp über 50kg mit Klamotten bei der Körpergröße von 1,72.
Als er mit bekam wo ich hergekommen bin hat er nur mit den Kopf geschüttelt.
Nach einigen Tagen im Krankenhaus Transport zur Einheit.

Ankunft in der Einheit

Jeder wusste dort wo ich herkomme.
Niemand traute sich mich zu fragen wo ich herkomme oder wie es dort wahr.
Angst vor mir.
Das große Schwedt TABU nicht drüber reden nicht fragen alles verboten.
Ich glaub man hat ihnen soviel Angst vor mir gemacht das sie sich nichts trauten.


Das schlimmst an Schwedt waren nicht die Arbeit die Demütigungen oder
die Willkür einzelner Bediensteter.
Das schlimmste waren die Spitzel die Zuträger die Anscheißer
die alles taten um für sich einen Vorteil zu erreichen
erfundene Verleumdung eingeschlossen.
Deswegen jage ich sie bis heute und werde nicht ruhen
bis ich auch den letzten mir bekannten gefunden habe.
niemals gebeugt niemals gekrochen niemals gebrochen
Freiheit ist wen man nichts mehr zu verlieren hat

Pavel
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Re: Erster Tag

Beitrag von Pavel » 14 Nov 2014, 09:57

Hallo 212562-20-,

beim Lesen stelle ich gerade fest, dass hier auch User "der anderen Seite" angemeldet sind und sachlich mit diskutieren.
Für mich ist das schwer zu verstehen, aber ich habe auch erst begonnen, mich mit dem Forum zu beschäftigen.

Wie geht es dir dabei, dass Aufsichtspersonen mir posten?

Gruß
P.

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MSG 187/78
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Re: Erster Tag

Beitrag von MSG 187/78 » 16 Nov 2014, 16:42

Hallo Pavel!

Deine Frage ist leicht zu beantworten, jede Medaille hat zwei Seiten, so auch in unserem Fall, Militärstrafgefangene und das Gefängnispersonal.
Schwedt konnte mich nicht brechen, es hat mich stärker gemacht !!!

212562-20-
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Re: Erster Tag

Beitrag von 212562-20- » 18 Nov 2014, 15:08

Pavel hat geschrieben:Hallo 212562-20-,

beim Lesen stelle ich gerade fest, dass hier auch User "der anderen Seite" angemeldet sind und sachlich mit diskutieren.
Für mich ist das schwer zu verstehen, aber ich habe auch erst begonnen, mich mit dem Forum zu beschäftigen.

Wie geht es dir dabei, dass Aufsichtspersonen mir posten?

Gruß
P.


Hallo Pavel
jedes Ding hat eben zwei Seiten
Hier ist keiner „von der anderen Seite“
den ich kenne der geprügelt oder mich grundlos schikaniert hat
die Prügel im Schapp werd ich nie vergessen
nur weil ich nicht schnell genug hinten an der Wand stand beim Aufschluss
oder weil ich auf dem Fussboden eingeschlafen war
einen Hocker zum sitzen gab es nicht im Schapp
genauso werd ich nie vergessen wie oft ich im Dreck vor dem Speiseraum
Liegestütze machen muste

aber eben nicht alle „von der anderen Seite“ waren so
die meisten haben einfach ihre „Arbeit“ gemacht

mfg
niemals gebeugt niemals gekrochen niemals gebrochen
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harald
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Re: Erster Tag

Beitrag von harald » 18 Nov 2014, 20:18

... oder haben nach dem Fall der Mauer dazu gelernt.
Wer Kritik austeilt, muss Kritik auch einstecken können.

"Auch aus Steinen, die in den Weg gelegt werden, kann man Schönes bauen" Goethe

ehemaliges Personal der DE 09/83 - 03/90

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ThomWelz
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Re: Erster Tag

Beitrag von ThomWelz » 18 Nov 2014, 20:37

Hallo Pavel,

eine Wendung um 180 Grad ist viel mühevoller, aufreibender, schweißtreibender und schwieriger hinzubekommen,
als bloß das beibehalten einer Blickrichtung von Kindesbeinen an bis ins hohe Alter! [mal so’n bisschen flapsig bemerkt]

Bleib Neugierig und herzliche Grüße
ThomWelz
..."Nicht das Erzählte reicht, das Erreichte zählt!"...Militärstrafarrestant 05.10.1978 - 03.03.1979 (MSG Nummer 362/78)

Pavel
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Re: Erster Tag

Beitrag von Pavel » 20 Nov 2014, 15:09

.......
die Prügel im Schapp werd ich nie vergessen
nur weil ich nicht schnell genug hinten an der Wand stand beim Aufschluss
oder weil ich auf dem Fussboden eingeschlafen war.....


Hallo ThomWelz,
dein Bericht verwirrt mich.
Bisher war ich immer der Auffassung, dass Prügeleien eher dem Zeitraum aus den Anfängen als MDI Gefängnis stammen. Wenzke schreibt von unqualifizierten, überforderten Wärtern mit geringerem Bildungsniveau. Wenn ich Wenzke richtig gelesen habe, war vor allem der "Zweischichtbetrieb" aus Arbeit und militärischem Drill hinreichend, um die meisten Insassen an ihre Grenze zu bringen. Wenn das nicht reichte, gab es Einzelarrest. Bei Wenzke steht auch, dass in der DE die härtere Gangart spielte; im Militärgefängnis stand mehr Zeit zur Verfügung, um dem "Erziehungsauftrag" nachzukommen.
Da Du ThomWelz ja im Militärgefängnis warst, erstaunt mich der Bericht über "unvergessene Prügel".

Und dann schreibt dieser Tage auch noch MarioMüller (der leider via PN nicht erreichbar ist) über sadistische Wärter....

Woraus sich meine Frage generiert: Wurde regelmäßig (täglich) geprügelt?

Erschüttert!
P.

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Detlef
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Re: Erster Tag

Beitrag von Detlef » 20 Nov 2014, 17:04

Hallo Pavel,

für die Zeit in der Disziplinareinheit, als ich in Schwedt war, kann ich sagen, dass NICHT regelmäßig und täglich
geprügelt oder geschlagen wurde. Das war dem Wachpersonal laut Dienstvorschrift verboten und wenn sie es taten, mussten sie selbst mit Konsequenzen rechnen. Ich kann mich nicht daran erinnern, dass in meiner Gegenwart jemand verprügelt wurde. Allerdings sind nun auch über 30 Jahre seitdem vergangen.
Ich kann mich nur an eine Situation erinnern, dass jemand unter Geschrei und Gebrüll vom Frühsport in den Block gezerrt wurde und wir ihn noch eine Weile schreien hörten und danach nicht mehr zu Gesicht bekamen. Da nehme ich an, dass der armer Kerl verprügelt worden ist.
3 Monate Strafdienst in der Disziplinareinheit vom 20.09.1983 bis 15.12.1983
Es ist geschehen und folglich kann es wieder geschehen. Darin liegt der Kern dessen, was wir zu sagen haben.

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