Schwedt - ein Mythos

phpbb
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Re: Schwedt - ein Mythos

Beitrag von phpbb » 19 Jan 2009, 23:31

Der Nutzer Dirk hat mich gebeten, seinen Account hier zu löschen. Insoweit sind somit die Beiträge, welche als Reaktion auf seinen ersten Beitrag erfolgten gegenstandslos geworden und sind hier aus dem Thema entfernt wurden.
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monti
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Re: Schwedt - ein Mythos

Beitrag von monti » 24 Mär 2009, 23:48

Hallo erst mal!

an Bierbomber

JA, es gab einen Schießbefehl. Gemäß DV 010/0/004. Nach der Allgemeinen Wach- und Postenanweisung hatte der Posten seinen Postenbereich unter Einsatz seines Lebens zu sichern und zu verteidigen, und ein Entweichen eines DB bzw. eines MSG mit allen Mitteln zu verhindern. Dazu wurden die Posten vor Beginn der Wache Vergattert. Das bedeutet: Er war rechtlich abgesichert wenn in seinem Postenbereich die Anwendung der Schußwaffe unumgänglich war und in diesem Zusammenhang eine vorläufig festzunehmende Person zu Schaden kam. DAS IST KEIN MYTHOS !!!!

Monti

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Dresdner
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Re: Schwedt - ein Mythos

Beitrag von Dresdner » 25 Mär 2009, 13:10

Nach der Allgemeinen Wach- und Postenanweisung hatte der Posten seinen Postenbereich unter Einsatz seines Lebens zu sichern und zu verteidigen, und ein Entweichen eines DB bzw. eines MSG mit allen Mitteln zu verhindern


Mit dem ersten Teil des Satzes gehe ich mit, beim zweiten Teil habe ich so meine Zweifel.
Schwedt war ja ein Einzelfall und eine Besonderheit, so das ich nicht glaube, das die Verhinderung der Flucht durch die DV 10 geregelt war.
Ich gehe davon aus, das es noch irgendeine Ergänzung/Befehl gabm wie sich die Posten im Falle eines Ausbruches zu verhalten haben.
Leider haben wir aber bisher keinen einzigen Posten als Zeitzeugen gefunden, der genau erklären kann, wie es geregelt war- und so belieben das wohl im Moment Spekulationen.
Wir haben noch nicht einmal richtige und gesicherte Erkenntnisse darüber, wer die Posten waren, wo die her gekommen sind, wie viele das waren use....

dresdner

harald
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Re: Schwedt - ein Mythos

Beitrag von harald » 25 Mär 2009, 17:00

Als ich die 2 - 3 Monate(weiß leider das Jahr nicht mehr) im MSG - Bereich war, hatten wir auch die Begleitung von Arbeitskommandos zu übernehmen.
Zu diesen Zeitpunkt waren wir in Pinnow (Mopedgepäckträger). Dieses war im Pinnower Betrieb extra nochmals gesichert und durch den "Betriebsschutz" bewacht. Während des Transport von und zurück waren wir mit Pistole sowie Schlagstock, Handfessel und Führungskette bewaffnet. Die Pistole musste jedoch vor der Einfahrt in den zweiten Bereich von Pinnow abgegeben (Schließfach im Kontrollraum) werden. Die Pistole diente uns nur zur Sicherung des Transports, um eventuelle Fluchtversuche aus den Bus bzw. Gefangenenbefreiungen von außen zu verhindern. Ebenfalls wurde der Bus mit einen Trennetz abgeteilt, damit eine gewisse Distanz zwischen Posten und MSG bestand und um mögliche Angriffe zu verhindern.
Bei Flucht oder Angriff auf den Posten oder andere Personen konnte von der Schusswaffe gebrauch gemacht werden, wenn keine anderen Mittel zum Erfolg geführt haben.
Harald

monti
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Re: Schwedt - ein Mythos

Beitrag von monti » 25 Mär 2009, 19:41

Hallo Dresdener

Dann muß ich wohl ganz genau sein. Die 010/0/004 sagt eindeutig und das in jedem Objekt der NVA: Der Posten hat seinen Postenbereich unter Einsatz seines Lebens zu sichern und zu verteidigen. In Schwed kam noch eine POSTENAUFGABE dazu. Der Satz wurde wie folgt ergänzt: und ein Entweichen von DB bzw. MSG mit allen Mitteln zu verhindern. Die Wach- und Postenanweisung wurde IMMER vor der Wache in der Wachbelehrung abgefragt und mußte ohne zögern auswendig heruntergerasselt werden. Im weiteren Verlauf des Dienstes ( 2. und 3. DHJ) machte keiner mehr den Absatz ( Postenaufgabe) sondern es kam wie selbstverständlich der ganze Satz. Wer einmal im Wachkabinet des Wachzuges stand und am Model des Objekts die Postenbereiche erklärt hat weiß , das ich hier keinen Unsinn schreibe. Im Ernstfall wäre es so gelaufen:Eine Person betritt wiederrechtlich den Postenbereich.( Egal ob von aussen oder von innen.) HALT,SIE SIND VORLÄUFIG FESTGENOMMEN!!! Reagiert die Person nicht, kommt: HALT STEHENBLEIBEN!!! HALT STEHENBLEIBEN ODER ICH SCHIEßE!!! WARNSCHUß!!!! Wenn die festzunehmende Person dann noch immer nicht reagiert hätte wäre ein gezielter Schuß in die unteren Extremitäten erfolgt.Eine Verletzung mit dem TOT zur Folge wurde dann billigend in Kauf genommen.Sollten sich Personen dem Postenbereich nähern und/oder sich rechtmäßig in ihm aufhalten, wurde der Posten vorher informiert oder durch den Wechselsprecher auf dem Turm vom KDL aus.

monti

bierbomber1
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Re: Schwedt - ein Mythos

Beitrag von bierbomber1 » 26 Mär 2009, 19:04

Hallo Monti.
Danke für Deine Antwort.
Das mit dem Postenbereich ist vollkommen richtig.Wenn wir zur Wache aufgezogen sind wurden wir vergattert.
Ich weiss jetzt nur nicht mehr wie es war wenn einer von innen nach aussen wollte.
Bierbomber

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kinski
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Re: Schwedt - ein Mythos

Beitrag von kinski » 20 Mai 2009, 10:32

Hallo, liebe Interessierten der alten DDR-Geschichte,

habe mir das Forum und die einzelnen Beiträge sehr interessiert angeschaut und durchgelesen.
Es ist sehr Interessant zu beobachten, welche unterschiedlichen Meinungen, Mythen, aber auch Tatsacheberichte hier vertreten sind.
Vielen Dank erst einmal an den Organisator dieses Forums, was so in seiner Form recht einmalig ist.
Bestimmte Dinge, sollten und müssen im Gedächtnis der Menschen verankert bleiben, um eben auch Mythen vorzutäuschen, oder spätere Generationen einen Teil der deutschen Geschichte nahezubringen.
Hmm, wo soll ich mal anfangen.
Ich war in der Zeit vom 14. April bis 14. Dezember 1988 im Militätstrafvollzug Schwedt. Also der Bereich, welcher auf den Bildern von der Diziplinareinheit getrennt war. Es ist trotzdem noch die gesamte Struktur des Komplexes zu erkennen.
Nur die ehemaligen Baracken wurden gegen Ende 1988 durch einen Massivbau mit verstärkten Sicherheitsmaßnahmen ersetzt.
Ich hatte noch das Glück, wenigstens nicht in diesem Betonmonster einziehen zu müssen, da dieses erst zum Jahresende eingeweiht worden ist.
Sehr interessant sind die Zeitungsberichte in den anderen Beiträgen, auch besonders die Abbildungen über die Herstellung der Ural-Glasfaser-Aufbauten für ebensolche Autos.
Genau diese Tätigkeit wurde von mir mit durchgeführt. Das, war eine wirklich hochgiftige Arbeit und wir mussten den ganzen Tag mit entsprechender Schutzmaske arbeiten. Auch gab es für diese Arbeit nicht nur MSG's sondern auch sogenannten Zivilangestellte, die mit uns diesen Job gemacht haben. Einseits war das Beschichtungsmaterial, so eine Art grüner Gummisud, sher giftig, aber noch schlimmer war die Reinigungssubstanz für die Kessel, in denen das zeug aufbewahrt worden ist. Das ganze nannte sich Methyvynylchrlorid oder so ähnlich. Hieß bei uns nur Medi und hat dich nach einem kräftigen Zug im wald stehen lassen. Haben wir immer genommen, um einmal etwas high zu sein. Kann mir aus heutiger Sicht aber nicht vorstellen, dass dies gesund war. Na ja, jedenfalls hat sich zu der Zeit ein ständiges zittern in unterschiedlichem Maße eingestellt, was man selbst nach 21 Jahren immer noch nicht richtig in den Griff bekommt.
Aber man lernt damit zu leben. Es ist halt alles doch gesundheitsschädlich.

Dies sollte zum Anfang erst einmal genügen.

P.S. Unterschreiben musste ich aber nichts, dass nicht darüber gesprochen werden darf. Jedenfalls ist mir nichts wissentlich unterkommen. Vielleicht war dies in der Dissi anders.
Alle Revolutionen haben bisher nur eines bewiesen, nämlich, daß sich vieles ändern läßt, bloß nicht die Menschen.
Karl Marx

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