Dokumentation der Schwedt-Zeit im WDA?

insbesondere Geschichtsaufarbeitung und Dokumentenlage
Stasi-Forscher
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Dokumentation der Schwedt-Zeit im WDA?

Beitrag von Stasi-Forscher » 06 Jan 2016, 17:40

Liebe Freunde der Aufarbeitung,

mich interessiert, in welcher Form die Anwesenheit in Schwedt im WDA festgehalten wurde. Nur indirekt durch das spätere Entlassungsdatum aus der Armee / BEPO? Unter Nennung des Standorts? Mit Angabe der tatsächlichen Anwesenheitsdauer?

Ich könnte mir vorstellen, dass dies für MSG und DB unterschiedlich erfolgte - von daher würde ich mich über Rückmeldungen aus beiden Betroffenengruppen freuen.

Danke vorab und beste Grüße vom

Stasi-Forscher

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Detlef
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Re: Dokumentation der Schwedt-Zeit im WDA?

Beitrag von Detlef » 10 Jan 2016, 18:53

Hallo Stasi-Forscher,

laut meinem Wehrdienstausweis war ich nirgends. Im gesamten WDA findet sich kein Hinweis zum 3-monatigem Aufenthalt in Schwedt. Wie Du im Foto erkennen kannst, habe ich meinen Grundwehrdienst am 03.11.1982 in Marxwalde begonnen. Bei der Eintragung "bis" steht der 20.09.1983, das ist das Datum der Überführung nach Schwedt in die Disziplinareinheit.
In der nächsten Eintragung steht wieder der 20.09.1983 als Beginn in Marxwalde... als wäre ich nie weg gewesen.
Also die 3 Monate in Schwedt werden hier gar nicht erwähnt - warum nicht?

Ich hoffe, Du findest noch eine Begründung, warum das damals so gemacht wurde und was damit bezweckt werden sollte.

Viele Grüße
Detlef
Dateianhänge
Bild1.jpg
WDA Seite 13
Bild1.jpg (90.12 KiB) 6256 mal betrachtet
3 Monate Strafdienst in der Disziplinareinheit vom 20.09.1983 bis 15.12.1983
Es ist geschehen und folglich kann es wieder geschehen. Darin liegt der Kern dessen, was wir zu sagen haben.

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ThomWelz
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Re: Dokumentation der Schwedt-Zeit im WDA?

Beitrag von ThomWelz » 10 Jan 2016, 20:52

Hallo Stasi-Forscher,

auch in meinem WDA findet sich kein Hinweis auf die "fehlenden" 5 Monate auf dem Dampfer.
Im Gegenteil: Für den unbescholtenen Betrachter ergänzen sich lediglich die ohnehinn richtigen
Einsatzorte.

Ausnahme:
Auf der Wehrstammkarte aus Strausberg ist
- Datum der Verhandlung
- Geschäftszeichen des Urteils
- Zeitraum der Verurteilung
am unteren Rand vermerkt.

Herzliche Grüße
ThomWelz
..."Nicht das Erzählte reicht, das Erreichte zählt!"...Militärstrafarrestant 05.10.1978 - 03.03.1979 (MSG Nummer 362/78)

mos
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Re: Dokumentation der Schwedt-Zeit im WDA?

Beitrag von mos » 11 Jan 2016, 19:53

Soweit ich mich erinnere, dürfte es einen Eintrag im Gesundheitsbuch gegeben haben (evtl. noch einen bei der Entlassung).

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Günter
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Re: Dokumentation der Schwedt-Zeit im WDA?

Beitrag von Günter » 12 Jan 2016, 21:15

Hallo,
also in meinem WDA ist auch kein Hinweis auf die Zeit in Schwedt.
Seite 6 bei "Gültigkeit als Dienstausweis" von 02.05.74 bis 30.12.75 also 2 Monate Nachdienzeit.
Seite 22 bei "Verwendungsmöglichkeit" Geleistete Dienstzeit von bis
03.05.74
bis
30.10.75
in meinem Gesundheitsbuch ist ein Medizinisches Nachweisblatt mit Eintragungen aus Schwedt.
Bis später
Günter

MarioMüller
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Re: Dokumentation der Schwedt-Zeit im WDA?

Beitrag von MarioMüller » 15 Jan 2016, 15:05

Leider ist mir mein eigener WDA abhanden gekommen, so dass ich darin nicht mehr fündig werden kann. Auf der von Detlef abgelichteten WDA-Seite ist als Einberufungsdatum der 03.11.82 und als Entlassungsdatum der 26.4.84 eingetragen - also die ganz reguläre Dienstzeit von 18 Monaten Grundwehrdienst. Zu jener Zeit (April 1984) musste allerdings nachgedient werden - üblicherweise direkt im Anschluss an den Grundwehrdienst. Bei einem Wehrdienstleistenden, der drei Monate in der Disziplinareinheit Schwedt war, hätte ein entsprechend späterer Termin eingetragen worden sein müssen. Ich dachte bisher, das sei generell so gewesen...

Gab es Ausnahmen und falls ja wofür? Konnte man sich den Zeitpunkt des Nachdienens etwa aussuchen wie jemand, der heute seinen Führerschein zeitweilig abgeben muss??? Mir wurde so ein Angebot nicht gemacht und ich kenne auch keinen anderen, der so ein Angebot bekam. Was ist mit den Einträgen von 1987 (14.4./10.7.) - war das Reservistendienst oder soll es sich dabei um Nachdienzeit gehandelt haben? Drei Jahre später???
Zuletzt geändert von MarioMüller am 04 Feb 2016, 23:56, insgesamt 1-mal geändert.

212562-20-
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Re: Dokumentation der Schwedt-Zeit im WDA?

Beitrag von 212562-20- » 26 Jan 2016, 17:48

Hallo,Stasi-Forscher

also in meinem WDA ist auch kein Hinweis auf die Zeit in Schwedt.
Es steht nur die „Geleistete Dienstzeit“ als gesamt zeit drin

im Gesundheitsbuch ist ein Medizinisches
Nachweisblatt mit Eintragungen aus Schwedt.

beste Grüße vom
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tina
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Re: Dokumentation der Schwedt-Zeit im WDA?

Beitrag von tina » 29 Jan 2016, 19:25

Musste Detlef nicht nachdienen? Und wenn nicht, warum?
Mir ist nur ein Fall bekannt, als Günther S. frei gesprochen wurde, obwohl er schon in Schwedt einsaß. Ich denke mal, er musste diese Zeit nicht nachdienen.
Auch Spitzel, die als Gefangene eingeschleusst waren, natürlich nicht nachdienen mussten.

schöne Grüße
Tina

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Re: Dokumentation der Schwedt-Zeit im WDA?

Beitrag von Stasi-Forscher » 30 Jan 2016, 15:27

Liebe Freunde der Aufarbeitung,

besten Dank für die bisherigen Rückmeldungen (zwei weitere erreichten mich per Mail). Zusammengefasst ergibt sich, dass bisher kein Fall bekannt ist, in dem die Eintragung im WDA den Ort Schwedt erkennen lässt. Nur die tatsächliche Dienstzeit ist vermerkt worden, so dass der kundige Leser allein daraus interpretieren kann, dass hier irgendwas abweichendes bezüglich des normalen Entlassungsrhythmus vorlag.

Dies gilt sowohl für die MSG, als auch die SA und die DB, außerdem sowohl für die 1970er als auch die 1980er Jahre.

Warnen möchte ich vor den Spekulationen, warum wer nicht nachdienen brauchte.

Speziell Tinas Äußerung dass "auch Spitzel, die als Gefangene eingeschleust waren, natürlich nicht nachdienen mussten" trifft nicht die Realitäten.
1. sind nur sehr wenige Spitzel als Gefangene eingeschleust worden. Die IM wurden idR erst vor Ort geworben.
2. sind nur relativ wenige Leute in den Genuss gekommen, ihre Schwedtzeit nicht (voll) nachdienen zu brauchen, von denen
3. allenfalls ein Bruchteil als IM arbeitete. Dies hat mehrere Gründe. Einer davon ist, dass zur Umsetzung einer solchen Erleichterung die Stasi ihre IM dadurch ja dekonspiriert hätte, da sie im MfNV oder / und vor Ort im eigentlichen Truppenteil ihren Einfluss auf die vorzeitige Entlassung hätte ausüben müssen, das Ganze also wahrnehmbar geworden wäre. Im Gegenteil war
4. auch die Stasi eher daran interessiert, den Mythos von Schwedt zu erhalten. Wenn also "verlässlich" bekannt wäre, dass man gegen inoffizielle Mitarbeit früher aus Schwedt oder der NVA raus kam, wäre die Drohung "Dafür kommst Du nach Schwedt" nicht mehr so schlimm gewesen und außerdem hätte sich die Stasi in Schwedt dann vor "Bewerbern" nicht retten können.
5. gab es nach "Schwedt" auch vorzeitige Entlassungen aus der NVA vor dem Hintergrund, sich "Unruhestifter" zu entledigen. Das waren keinesfalls auch immer IM. Nicht zuletzt wäre
6. zu beachten, dass die Stasi - ihren eigenen miesen Ruf nutzend - auch damit arbeitete, durch solche Verdächtigungen Unschuldige in den Ruf des Informanten zu setzen.

Insofern bitte ich um sorgfältige Beachtung jedes Einzelfalls und rate von voreiligen Schlüssen ab.

Beste Grüße vom

Stasi-Forscher

tina
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Re: Dokumentation der Schwedt-Zeit im WDA?

Beitrag von tina » 30 Jan 2016, 21:34

D.h. es gab nie eingeschleusste Spitzel? OK, da habe ich eine eigene Meinung dazu. Aber es bedurfte wahrscheinlich dieser Methode auch nicht, denn beinahe jeder Häftling war bereit ( MSG ) sein Wissen , der Gefängnisleitung mitzuteilen. Dies war dem § 349 zu schulden.

Bleibt nur noch die Frage, warum manche ( und das war mir bis dato unbekannt ) nicht nachdienen mussten.

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