Vereinsgründung 2013

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ThomWelz
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Re: Vereinsgründung 2013

Beitrag von ThomWelz » 08 Feb 2013, 10:39

Hallo guetschli,

danke für Deine Zustimmung! – Dadurch sind einige meiner gekürzten Abschnitte doch noch in das Forum gekommen.
Nur anders eben, oder.

Herzliche Grüße
ThomWelz
..."Nicht das Erzählte reicht, das Erreichte zählt!"...Militärstrafarrestant 05.10.1978 - 03.03.1979 (MSG Nummer 362/78)

harald
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Re: Vereinsgründung 2013

Beitrag von harald » 08 Feb 2013, 23:22

Danke Detlef,
du hast mir damit aus der Seele gesprochen.
Eigentlich wollte ich schon gestern auf diesen Beitrag antworten, habe es mir dann aber doch verkniffen. Die Gründe dafür möchte ich hier aber nicht öffentlich nennen.
Warum mache ich denn im Verein mit? Weil ich ein Unverbesserlicher bin, der auch schon früher zu faul war in der Produktion zu arbeiten und jetzt diesen Job immer noch ausübt? Oder hat mal Einer darüber nachgedacht wie die Situation auf dem Arbeitsmarkt war und immer noch ist. Mir ging es um die Absicherung meiner Familie. Oder wäre es lieber gewesen, ich würde mich in das große Heer der Sozialhilfeempfänger und Hartz IV einreihen. (Sorry, nicht böse gemeint)
Mehr möchte ich zu diesen Thema nicht sagen und es ist für mich hiermit beendet.

Der Unverbesserliche, der sich trotzdem stellt.
Harald

Lacrimo

Re: Vereinsgründung 2013

Beitrag von Lacrimo » 09 Feb 2013, 14:41

Hallo an alle,

Ich habe heute nochmal alle Beiträge von Euch gelesen und bin der Meinung, das der Verein ein Neuanfang ist, und wir uns mit den Gegebenheiten auseinandersetzen sollten. Ich war auch lange in diesem Lager, und nach Recht, nicht unschuldig, weil Unterlassene Anzeige einer Fahnenflucht auch heute noch bestraft wird. Aber heute hätte die Gerichtsverhandlung einen anderen Ausgang gehabt. Ich hätte gleich einen Anwalt gehabt und nicht erst eine Woche davor. Ein Gefängnis, wie Schwedt hätte es nie gegeben. Wir waren alle rechtlos und es war alles willkürlich. Sie konnten mit Dir machen, was sie wollten, das hätte es in einer Demokratie nie gegeben.
Ich habe heute keinen Hass mehr, auf die, die mich dahin gebracht bzw. mit denen ich da zutun hatte, weil es mich selbst nicht weiterbringt. Klar ist aber auch, das es solche und solche gab. Das kann auch ich nicht vergessen, weil die Folgen für mich heut noch sichtbar, merkbar sind. Man kann einzelne vielleicht aufspüren und mit ihnen reden, sie werden sagen, sie haben nur ihre Pflicht getan. Wir dürfen einfach nicht vergessen, das wir in der DDR gelebt haben, wo mit Propaganda der Feind leicht auszumachen war. Wer sich fehlverhalten hat, ist mit der ganzen Härte des Arbeiter- und Bauernstaates bestraft worden. In meinem Urteil steht, wie bei vielen bei Euch, Im Namen des Volkes, das Volk wußte aber nicht, wie das alles zustande kam, das Ministerium für Staatssicherheit hat selbst DDR-Recht gebrochen. Sowas kann auch ich nicht vergessen, aber es gibt sie nicht mehr und so muß ich mich mit den Folgen auseinandersetzen, die mich persönlich betreffen und die es aufzuarbeiten gilt.
Ich möchte das sich der Verein für beide Seiten offen hält, Beratung sollte es für Inhaftierte, wie Bedienstete geben, letztere weil auch sie vielleicht Hilfe brauchen, weil sie in der damaligen Zeit überreagiert haben, das vielleicht dem geschuldet war, das sie regelrecht auf Hass geschult wurden. Ich bin seit über einem Jahr in der Diakonie, in der Diktaturfolgenberatung, und da habe ich von meinem Berater erfahren, das er auch "Täter" berät, weil sie, auch heute nicht damit klarkommen.
Ich möchte zum Abschluß nochmal öffentlich, Harald, meinen Respekt zollen. Er ist der einzige, der sich dem Thema wirklich stellt, danke nochmal dafür.

Ich freue mich auf die Vereinsgründung, schreibt mir mal, und schickt mir den Antrag. Euch allen ein schönes Wochenende.

Viele Grüße Lacrimo

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Biblio
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Re: Nun wirds`langsam ernst.....

Beitrag von Biblio » 09 Feb 2013, 15:45

Grundsatzpapier - Gedanken zum Vereinsgründungsaufruf
Biblio (Marc) - 09.02.13 (-> s. gleichlautend PDF--> ANHANG)

Die verschiedenen Mittel der Aufarbeitung von Geschichte haben gemeinsame Ziele, sich überschneidende Mittel und Methoden aber jeweils unterschiedliche, grundsätzliche Fokussierungen.
Ein ...

Museum:_____________ erhält die ERINNERUNG
Gedenkstätte/Denkmal:__ erhält den ORT des Geschehens
Forum:_______________ dient dem AUSTAUSCH beteiligter / interessierter Menschen
Verein:_______________ erhält und 'übersetzt' die LEHREN aus der Geschichte

Diesem Fokus entsprechend sollte meiner Meinung nach das Ziel und die Satzung des Vereins formuliert werden.

Der Aufruf zur Gründung eines Vereins enthält im Wesentlichen schon Ziel, Aufgaben und Methoden.
Sichtbar werden in ihm folgende (inhaltlich zitierte)

Aufgaben: - Erinnerung wachhalten
- Erinnerungsorte erhalten
- verhindern, daß Unrecht verdrängt oder beschönigt wird
- gegen Verdrängen und Vergessen mobilisieren
- Betroffenen helfen, Stütze in ihrer persönlichen Aufarbeitung sein
(+ Dokumente sammeln)

Wege: - Zeitzeugenprogramm
- öffentlichen Diskurs über Schwedt fördern
- Wissen mit den nachgeborenen Generationen teilen
- öffentl. Einrichtungen und Schulen als Ansprechpartner zur Verfügung stehen
- zusätzliche Kooperationen eingehen
(+ gesammelte Dokumente veröffentlichen)

Das muß sicher noch ergänzt und konzentriert werden.


Zum Ziel des Vereins

Eins ist klar: ausschließlich 'Opfer'-Hilfe ist zu dünn, denn die 'Beteiligten' werden weniger; ihre Zahl ist ohnehin nicht hoch (gemessen an der Bevölkerung, die wir für ein sehr spezielles Thema interessieren wollen).

Auch das "bloße" Erhalten von Ort, Dokumenten und Erinnerungen rechtfertigen in meinen Augen noch keinen zusätzlichen Verein, dafür gibt es Museen und Denkmale (bestenfalls einen Verein zu deren Betrieb/Unterstützung).

An einen separaten Verein, der sich mit einem bestimmten Teil der Geschichte beschäftigt, sind meines Erachtens höhere Anforderungen zu stellen (an einen Kaninchenzüchterverein freilich nicht ... ;-) ) (... 'tschuldigung für die kleine Blödelei!).

Nur wenn wir es uns zum Zeil nehmen, die Lehren aus der Geschichte ins Heute zu übersetzen und zu transportieren, bekommt so ein Verein Relevanz und wird auch nur so überhaupt für Andere und die nachfolgenden Generationen interessant ...


Daher sehe ich drei Ziele:

Das Erste Ziel kann nur sein:
.. Das Militärstrafgefängnis Schwedt als Erscheinung und Folge der DDR-Gesellschaft zu untersuchen und beschreiben

Das Zweite:
..(Zitat Aufruf)
.. " ... Fragen an die Gegenwart stellen, die sich kritisch mit Themen wie Disziplin und Gehorsam, zivil-militärischen Beziehungen oder Fragen nach der Legitimität und demokratischen Kontrolle von Militär beschäftigen "

Drittens:
.. den Opfern und Beteiligten Hilfe zu bieten.

Damit hätten wir alles, was nötig ist: Vergangenheit, Gegenwart + Zukunft, konkrete Hilfe :-)
Das müßte man nun noch in den Vereins-Zweck-Paragraphen der Satzung gießen.

Was meint ihr dazu ?

Besten Gruß an alle,
Marc (Biblio)



-------------------------------------------------------------------
Exkurs zu Zweck Zwei des Vereins

Das ist hochinteresant und hochaktuell, berührt Fragen der persönlichen Verantwortlichkeit, Moral, 'Ethik' der Kriegsführung, des Völkerrechts, Einsatzzweck der Arme u.a.
Diese Dinge kommen bei der Betrachtung der militärischen Seite des Schwedt-Themas unweigerlich ins Spiel, wenn wir den geschichtliche Kontext (und um den geht es ja) beleuchten und ' Fragen an die Gegenwart ' stellen ...
(siehe dazu z.B.: Abu Ghraib, Drohnen-Krieg, das Militärgefängnis GUANTANAMO, Einsatz der Bundeswehr im Inneren des Landes nach Entscheidung des deutschen Bundesverfassungs-gerichtes vom August letzten Jahres ... und Anderes).
http://www.sueddeutsche.de/politik/eins ... -1.1443366
Dateianhänge
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Detlef
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Re: Vereinsgründung 2013

Beitrag von Detlef » 09 Feb 2013, 19:05

Hallo Biblio,

danke für Deine interessanten Ausführungen. Das ist mit vielen Überlegungen geschrieben. Wir werden das in der Satzung, die dem im wesentlichen entspricht, berücksichtigen.

Auf Deine Mitarbeit im Verein freuen wir uns schon jetzt!

viele Grüße detlef
3 Monate Strafdienst in der Disziplinareinheit vom 20.09.1983 bis 15.12.1983
Es ist geschehen und folglich kann es wieder geschehen. Darin liegt der Kern dessen, was wir zu sagen haben.

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Dresdner
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Re: Vereinsgründung 2013

Beitrag von Dresdner » 10 Feb 2013, 08:31

denn die 'Beteiligten' werden weniger; ihre Zahl ist ohnehin nicht hoch

Das ist ja leider das Problem - deshalb findet das Forum auch so schwer neue Mitglieder.
Die Zahl der Insassen in Schwedt ( schuldig oder nicht, sei dahin gestellt ) war ja im Verhältnis zu den Wehrpflichtigen/Soldenten auf Zeit/ Berufssoldaten schon sehr gering. Der Großteil der Wehrpflichtigen hat ja den Grundwehrdienst als notwendiges Übel, mehr oder weniger begeistert über sich ergehen lassen. Irgendwo hat ( glaube ich zumindest) Herr Wentzke das mal ausgerechnet- war so 0,XX Prozent der Wehrpflichtigen eines Jahrganges, die direkt mit Schwedt in Berührung kamen. Den Rest der Wehrpflichtigen hielt man mit dem Mythos Schwedt bei der Stange.

Das Militärstrafgefängnis Schwedt als Erscheinung und Folge der DDR-Gesellschaft zu untersuchen und beschreiben

... ist deshalb richtig und Wichtig

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Biblio
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Re: Vereinsgründung 2013

Beitrag von Biblio » 10 Feb 2013, 10:22

(( OT:.... ich wurde gebeten, mich mit einem * ausdrücklichen JA * zum Verein zu bekennen .... :-) -hiermit geschehen...))

Ich möchte nochmal auf die (m.M.n) höchste Wichtigkeit des Vereins-Ziels (Zitat) 'Fragen an die Gegenwart stellen' hinweisen ...

Aktivitäten auf DIESEM Gebiet scheinen mir der SCHLÜSSEL für die Überlebensfähigkeit des Vereins zu sein - um Andere zu interessieren.
Das liefert uns auch Anknüpfungspunkte (Kooperationen, 'Werbung' für uns) zu anderen Organisationen ...


Sonst bleiben wir mit bloßer Rückschau bald unter uns ...

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Detlef
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Re: Vereinsgründung 2013

Beitrag von Detlef » 13 Feb 2013, 23:12

tina hat geschrieben:Keine Angst, ich werde dem Verein nicht beitreten. Aber nicht, weil ich nichts zu sagen hätte, nein, ich habe einfach keine Zeit. Habe ein Geschäft und arbeite mehr als 10 Stunden täglich. Auch, weil hier viel zu viel an meinen Aussagen gezweifelt wird. Ich würde mich da nicht "zu hause" fühlen, wünsche aber dem Verein viel ERFOLG!


hierher kopiert

Wir danken für die freundlichen Worte.

detlef
Zuletzt geändert von Detlef am 13 Feb 2013, 23:35, insgesamt 1-mal geändert.
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Re: Vereinsgründung 2013

Beitrag von Detlef » 13 Feb 2013, 23:35

Hallo Mitstreiter und Freunde,

der Bürgermeister der Stadt Schwedt/Oder hat zugestimmt, dass wir die Adresse des Stadtmuseums Schwedt
zunächst für uns als postalische Adresse ab dem 16.März 2013 für den Verein nutzen können. Das ist zwar nicht langfristig angedacht, später müssen wir eine eigene Adresse / Anlaufstelle schaffen.

Aber es ist auch ein gutes Zeichen, dass uns die Stadt Schwedt positiv aufnimmt und uns unterstützt.
Dafür mein Dank. Danke auch für die Hilfe des Museums, insbesondere an Anke Grodon und ihre Mitarbeiterinnen.

Ihr seht, wir kommen voran.

Im Moment feilen wir noch an der Satzung, die von Tag zu Tag reifer und aussagekräftiger wird.
Und selbstverständlich sind wir mit den Vorbereitungsarbeiten für den 16.März beschäftigt, so dass das auch für uns ein besonderer Tag wird.

viele Grüße

detlef
3 Monate Strafdienst in der Disziplinareinheit vom 20.09.1983 bis 15.12.1983
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Kamenzer
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Re: Vereinsgründung 2013

Beitrag von Kamenzer » 14 Feb 2013, 05:58

Ja Detlef,

das wäre von mir eine Frage gewesen, wo der Sitz des Vereins ist. Steht ja so nicht in dem Entwurf der Satzung. Dieser Punkt ist erstmal geklärt, Danke Detlef.

Der Kamenzer

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