Vereinsgründung 2013

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Dresdner
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Re: Vereinsgründung 2013

Beitrag von Dresdner » 02 Feb 2013, 12:41

Der Beitrag von Tina bringt mich dazu, doch einmal meine Gedanken zu äußern.
Wie gesagt- ich bin kein betroffener, also sehr ich das Ganze von außen (sozusagen).

Wir haben damals das Forum gegründet, weil wir wissen wollten, wie es wirklich war in Schwedt, was an dem Mythos dran war.

Eine Aufarbeitung / Darstellung von Schuld-Unschuld oder Täter –Opfer haben wir ganz bewusst nicht fokussiert.

Aus folgenden Gründen :

Jedes Gesellschaftssystem hatte bzw. hat es heute noch ein Strafrechtssytem bzw. ein Militärstrafsystem.
Ob die Leute, welche mit diesem System in Konflikt gekommen sind, wirklich unschuldig sind oder nicht, das können wir ( als Internetforum ) heute nicht mehr nachvollziehen bzw. ist es unter der Anonymität des Internets gar nicht möglich.
Tatsache ist, dass auch heute noch bestimmte Verhaltensweisen (Vergehen) strafbar sind und auch bestraft werden – das ist und war keine Erfindung der DDR.
Ich weiß nicht (und maße mir auch nicht an darüber ein Urteil zu fällen), wie viele der in Schwedt im Militärgefängnis und in der DE eingesessenen Militärangehörigen wirklich schuldig oder unschuldig sind.

Wenn jetzt die Rede von Versöhnung zwischen salopp gesagt Wachpersonal und Inhaftierten – de facto zwischen Tätern und Opfern ist, so kommen mir Zweifel.

Ist denn der Kommandeur Herr D. schon deshalb ein Täter, weil er die ihm von der Militärjustitz übergebenen Leute bewacht hat- entsprechend den Gesetzen/Richlinien/Befehlen der damaligen Gesellschaftsordnung ?
Ist somit jeder Leiter eines Gefängnisses ( z.B. Waldheim/Bautzen/Brandenburg ) ein Täter, weil er die Leute bewachen ließ und ein Gefängnis leitete?
Sind die Wärter, die Erzieher (in Schwedt die Zug- und Kompanieführer) die Täter, weil diese ja die Inhaftierten bewachten, anleiteten?
Sind die Leute, die Ihren Dienst auf den Wachtürmen oder im Streifengang versahen (ich meine damit nicht die Wehrpflichtigen, denn in den Anstalten des MdI waren das Berufs-Polizisten) Täter?

Mal überspitzt und abstakt :
Ist Harald auch ein Täter .. allerdings nun ein guter, weil er hier im Forum schreibt ??

Es war schon im Mittelalter so, dass der Gefangene im Verließ seine Wut und seinen Frust an den Kerkermeistern ausgelassen hat – jemand anderes war ja nicht da. Aber der Kerkermeister konnte überhaupt nichts dafür – er hat nur seinen Job gemacht, mag man zu dem Beruf stehen wie man will.

Die Leute des Strafvollzuges haben die Leute doch nicht verurteilt und eingesperrt, sie haben diese lediglich bewacht und das gibt es heute auch noch.
Und auch ein Herr D. konnte keinen MSG nach Hause schicken, den die Militärjustitz zu Haft verurteilt hat.
Bewusst klammere ich jetzt mal Übergriffe des Wachpersonal aus – ja, diese Leute sind Täter und schuldig geworden, wobei ich bisher nichts dazu im Forum oder diverser Literatur gelesen haben.


In das Gefängnis sind die Leute doch durch ihr Tun und Handeln (oder Nicht tun bzw. Nicht-Handeln) und Reaktion der Militärjustitz darauf gekommen – ganz abstrakt betrachtet.
Somit wäre doch die damalige Militärjustitz ( also die Gesetzgebung ) Schuld daran, wenn eine Einweisung nach Schwedt / Waldheim / Bautzen oder wohin auch immer erfolgte.
Damit wäre der Kreis wieder geschlossen- die ehemalige Militärjustitz (und die Gesellschaft und Umstände, welche diese hervorgebracht hat) ist doch diejenige, welche zumindest teilweise an den Pranger der Geschichte muss, weil die Militärjustitz falsche und zu harte Urteile fällte.

Und da geht es weiter – war das Urteil gerecht – war die Strafe angemessen?
Aus unserem heutigen gesellschaftlichen Verständnis heraus, war dies sicher nicht in jedem Fall so.
Ein Soldat, der betrunken seinen Wachhabenden zusammen schlägt, kommt aber auch heute ins Gefängnis, ein Dieb wird auch heute noch bestraft.
So gelten bestimmt Straftatbestände auch heute noch. Und deshalb ist es auch erklärlich, dass z.B. ein Antrag auf Rehabilitierung eines ehemaligen MSG nur teilweise stattgegeben wurde – denn Fahnenflucht ist auch aus heutiger Sicht strafbar.
Sind alle , welche im Militärgefängnis und der DE waren auf einmal „Opfer“ ?

Da wir das nicht beurteilen können, haben wir bisher die Diskussion darüber aus dem Forum heraus gelassen.
Möglicherweise ist es auch ein Grund, dass sich so relativ wenige ehemalige Insassen hier melden, weil sie wirklich schuldig waren und einfach damit abgeschlossen haben.
Ich selbst kenne aus dem Forum nur zwei, die wirklich gesagt haben, dass sie zu Recht in Schwedt waren.
Wie gesagt, ich kenne keine Hintergründe und erlaube mir über KEINEN ein Urteil.

In der heutigen Zeit, wo der Begriff „ Wehrpflicht“ schon für die heutige Generation von Kindern völlig unverständlich ist ( die heutigen freiwilligen Soldaten haben 17 Uhr Dienstschluss, werden mit Bussen zum Schießstand gefahren, haben Ausgang wie sie wollen etc.) , wird es schwer sein zu vermitteln, was damals in der DDR und somit NVA alltäglich war.
In einer Zeit, wo verurteilte Straftäter ein Fernseher in der Zelle haben, wo er sich im Fitnessraum belustigen kann und wo es offenen Vollzug gibt, wird es schwer zu vermitteln sein, was Haft früher bedeutet hat.

Nun stellt sich die Frage nach dem Konsens meiner ganzen Ausführungen. ….
Ich weiß es ehrlich gesagt auch nicht so richtig, aber mit der gegenwärtigen Diskussion darüber, was der Verein macht, habe ich in gewisser Hinsicht meine Bedenken und kann das so nicht mittragen.

Wir können doch als Verein schlecht das Wachpersonal zu „Tätern“ machen und die Insassen zu „Opfern“ und wollen deren Versöhnen.
Ich habe so gewisse Zweifel, das sich unter der Sicht weitere ehemalige des Wachpersonals melden werden, denn die haben ja nur Ihren Dienst gemacht und werden vermutlich darin garkeine Schuld sehen und wissen garnicht, warum sie sich versöhnen sollten.
Wie bereits gesagt- es wird auch unter dem Wachpersonal sicherlich schwarze Schafe geben, aber die melden sich ohnehin nicht.

Und können wir bei allen ehemaligen Insassen von „ Opfern“ und von „unschuldigen“ sprechen ?
Also ich kann das nicht unterscheiden, ob der MSG wirklich schuldig oder unschuldig verurteilt wurde, ob einer in der DE zu Unrecht nach Schwedt kommandiert wurde .
Und gleich garnicht kann ich das nachprüfen, denn das Internet und die Usernamen hier im Forum sind anonym.

Könnt ihr das ?

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Re: Vereinsgründung 2013

Beitrag von guetschli » 02 Feb 2013, 14:29

[quote="guetschli"]Ich dachte, das Thema Tina wäre längst beendet ??!!
Sind doch schon öfter Schauergeschichten von ihr erschienen.
Soll doch ihr Bruder sich melden und mal schreiben mit wem und wann er in Schwedt war.
Immer das selbe gefasel.
Es stört sehr die Zukunft des Vereins.
Das ist meine Meinung zum Thema TINA.
Ich zum Beispiel habe kein problem mit den Bediensteten, es war ihr Job. Das System war das Problem.
LG guetschli[/quote

Also ist ja auch meine Meinung
2 Monate Strafdienst in der Disziplinareinheit 04.01.1984-03.03.1984

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Detlef
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Re: Vereinsgründung 2013

Beitrag von Detlef » 02 Feb 2013, 15:42

Hallo guetschli,

ich äußere meine Gedanken zum Namen, genauso, wie ich es die ganze Zeit bisher gemacht habe, den Vereinsgedanken Wirklichkeit werden zu lassen.

Wir wären heute mit dem Thema Verein noch nicht soweit, wie wir jetzt sind, wenn nicht immer neue Gedankenspiele zur Diskussion und zum Nachdenken geäußert wurden.

Es wäre schade, wenn Du Dich nun raushalten willst.
Aber so eine Diskussion ist schon wichtig und hier an der Namensfindung sieht man, von wie vielen Seiten an die Sache heran gegangen wird.

Das Fazit stand für mich für diesen Beitrag, nicht als Fazit für den endgültigen Vereinsnamen.

viele Grüße detlef
3 Monate Strafdienst in der Disziplinareinheit vom 20.09.1983 bis 15.12.1983
Es ist geschehen und folglich kann es wieder geschehen. Darin liegt der Kern dessen, was wir zu sagen haben.

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Re: Vereinsgründung 2013

Beitrag von Detlef » 02 Feb 2013, 16:40

...viele haben geschrieben "ja, gründen wir einen Verein", "endlich", "wird auch Zeit" u.ä.

Nun haben sich einige von uns Gedanken gemacht, wie wir dem Verein Leben einhauchen können und wofür der Verein stehen soll. Es macht immer wieder "Spass" zu lesen, das geht nicht, das wollen wir nicht, der Name gefällt nicht.
Nein - und Versöhnung und Vergebung geht schon gar nicht.

Beim Thema Logo das gleiche- wieviele habe ich hier mir anschauen dürfen ?!

Es wäre auch aber mal schön zu lesen, dieses und jenes könnten dem Verein Sinn geben und dieses und jenes könnten Aufgabe des Vereins sein. Und dann braucht auch niemand vorwerfen, dass ein anderer die "Führung" übernimmt.
Es hat jeder selbst in der Hand, wie er sich einbringt.

So, dass musste jetzt mal raus.

detlef
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Re: Vereinsgründung 2013

Beitrag von Detlef » 02 Feb 2013, 18:25

Hallo an alle,

Hier nun detlef zum 3.

Das Thema Versöhnung und Vergebung war ein Vorschlag aus der Vorbereitungsgruppe zur Vereinsgründung, gemacht von einem ehemaligen MSG.
Es geht nicht um Täter oder Opfer. Davon war auch nicht die Rede. Das die Bediensteten dort, wie auch in anderen Gefängnissen "nur" ihren Job gemacht haben ist auch klar. Deshalb stempeln wir sie nicht zu Tätern ab. Auch bezeichne ich mich nicht als Opfer. Ich bin nicht geschlagen oder mißhandelt worden. Dass ich für meine Fahnenflucht bestraft worden bin, ist auch als Folge seitens der NVA richtig gewesen. Aber ich war kein Verbrecher. Und ich war kein Muttersöhnchen, das heim zu Mami wollte, sondern meine Fahnenflucht hatte einen anderen Grund.

Im Forum konnte man lesen, dass einige Nutzer heute noch eine Wut auf auf die Bediensteten von damals haben, ihnen könnte geholfen werden, diese Wut abzubauen. Und zu den Bediensteten von damals soll gesagt werden: Hört zu, die ehemaligen Insassen sehen Euch nicht als Täter, sondern als Menschen an, eben mit den verschiedensten Biographien und Charakteren.

Vor 30 Jahren konnte ich mir nicht vorstellen, dass ich mal mit einen ehemaligen "Wärter" ein Bier trinken gehe und ich mich mit ihm unterhalte und seine Meinung und Geschichte zu Schwedt anhöre. Das ist bereits gelebte "Vergebung und Versöhnung".

Vielleicht sollte man andere Worte dafür finden, die nicht gleich auf das Täter-Opfer-Klischee deuten.
Und darin sehe ich doch einen Sinn und in den Vereinsgedanken mit einzuarbeiten.

detlef
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Re: Vereinsgründung 2013

Beitrag von Paul16 » 02 Feb 2013, 19:00

Hallo guetschli.
Du hast bestimmt einen schlechten Tag, was Du da geschrieben hast, kann doch nicht Deine Meinung sein? !!!
Die ist in allen Punkten falsch.
Der Verein soll helfen dieses zu erkennen.

Paul16
von März 70 bis Sept. 70 im MSV Schwedt
R.Nr.: 210780

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Re: Vereinsgründung 2013

Beitrag von Dresdner » 02 Feb 2013, 21:34

Aber ich war kein Verbrecher.

Das habe ich überhaupt nicht gesagt.
Sollte mein Beitrag so rüber gekommen sein,bitte ich um Entschuldigung - das war nicht meine Absicht !!

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Re: Vereinsgründung 2013

Beitrag von Detlef » 02 Feb 2013, 23:19

hallo Admin,

keinesfalls war das jetzt auf Deinen Beitrag bezogen,
es wurde einmal an anderer Stelle geäußert.
da ich gerade wieder schreibe: Wir sollten uns auf 3 Namen einigen und dann evtl. abstimmen.

detlef
Zuletzt geändert von Detlef am 03 Feb 2013, 17:27, insgesamt 1-mal geändert.
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Re: Vereinsgründung 2013

Beitrag von Dresdner » 03 Feb 2013, 17:10

Hat mit dem Verein nix zu tun...

Detlef, SO hat das D. und G. im Film nicht gesagt.
Habe mir den heute extra nochmal angeschaut.
Der Kommandeur äußert sich in der 12. Sendeminute , falls du nochmal nachschauen willst.

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Re: Vereinsgründung 2013

Beitrag von Detlef » 03 Feb 2013, 17:27

Hallo Admin,
ich hatte es bei Dessauer nachgelesen, der geschrieben hatte:

"Ebenso bezweifle ich, dass die Herren Decker und Görlitz
das Projekt unterstützen, haben sie doch in einem Ferseh-
bericht über das MSG, der von einem Sender der ARD ge-
dreht wurde, alle die, die in Schwetd waren, als Verbrecher
bezeichnet, denen es doch im MSG gut ging"

aber ich ändere gerne meinen Beitrag und schau noch mal nach.
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