Buch Schwedt

guetschli
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Re: Buch Schwedt

Beitrag von guetschli » 13 Aug 2011, 00:27

Hallo Baustus
Du hast den Nagel auf den Kopf getroffen. Ich wurde ja mit 16 jahren für 20 Monate in den Jugendwerkhof gesteckt, weil ich mein Maul (Berliner grossschnauze) nie halten konnte und deswegen immer angeeckt bin.Aber ich konnte in den Spiegel schauen. Die die mich kennen, die lieben mich dafür, die anderen hassen mich deswegen. . Auch wurde ich deswegen nochmals verurteilt unter dem Decknamen § 249. Gottseidank kam nach 4 Monate die Amnestie 1979.Zu Schwedt kam es ja aus den gleichen Gründen.( diskusionen Ehrendienst-Wehrpflicht, Verteidigungsarmee- Seeanlandetruppen (ich war dort, angriffsziel war Kiel) und immer all die wiedersprüche.
Ich habe immer meine Meinung gesagt, und werde es auch immer tun.Ich kann aber auch mit Kritik umgehen, denn wer austeilt muss auch einstecken können.
Aus diesem Grunde war ich auch ein guter zocker, wer gewinnen will, muss auch verlieren können.
Aber was meinst du Baustus mit Reha und so ? Es gibt doch garkeine Unterlagen über die DE. Das einzoge was ich habe ist meine Fahrkarte und den rückreiseauftrag.
Wenn ich meinen langen Deutschlandaufentalt beendet habe, habe ich auch wieder mehr zeit um etwas zu schreiben. Habe jetzt einfach keine musse ( Buch).
Also ich klemme den Schwanz sicher nicht ein.
Zur Demokratie gehört auch die Freiheit der andersdenkenden. ( Rosa L.) (abgeändertes Zitat)
2 Monate Strafdienst in der Disziplinareinheit 04.01.1984-03.03.1984

guetschli
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Re: Buch Schwedt

Beitrag von guetschli » 13 Aug 2011, 00:43

Übrigens ist ja noch ein anderer Aspekt zu betrachten. Für die Zeit des Nachdienens hatten wir ja Lohnausfall. Ich hätte ja in den zwei monaten ungfähr 2500.- DDR mark verdient und habe nur 300.- Sold erhalten.
Aber was ist das für ein Bericht im RBB. hast du es auf DVD ? Oder war es nur eine kurze Sache ?
Wer soll sich denn für die REHA einsetzen ? es gibt seit ende 2008 ein Gesetz zur Reha über Jugendliche aus den DDR Werkhöfen. Das alles läuft alles schon über zwei Jahre und es ist noch lange kein Ende in sicht.Die in der Turmstrasse in Berlin, sagen mir das es noch Jahre dauern kann. Die Gesetze sind sehr schwammig.
2 Monate Strafdienst in der Disziplinareinheit 04.01.1984-03.03.1984

harald
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Re: Buch Schwedt

Beitrag von harald » 13 Aug 2011, 17:19

Für die Reha sind auch Dokumente und Unterlagen nötig, die dieses belegen. Aber bekannterweise sind die Akten alle verschwunden, also wie soll da ein Beweis erfolgen. Nur vom hören oder erzählen wird keiner rehabilitiert.
Eine Möglichkeit wäre eventuell die BStU.

baustus
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Re: Buch Schwedt

Beitrag von baustus » 13 Aug 2011, 19:49

ja, die bstu wäre einer der ersten adressen hierfür. vielleicht kann man polzin mit ins boot holen. unser ansprechpartner wäre in jedem fall der neue stasi-beauftragte jahn, bzw seine behörde. was ist mit dem wehrdienstausweis, was steht da drin. es gibt auch einfache dokumente, wie in meinem buch abgebildet:-verlegung in die dienststelle schwedt- usw. ich denke, dass die gesamte entschädigung der ehemals in der de inhaftierten noch in keinster weise von irgendjemandem aufgegriffen wurde. ich meine das wird höchste zeit... allerdings muss es auch gewollt sein... gewollt von den betroffenen selber. bisher gab es ja dazu noch keine mehrstimmigen aussagen. vielleicht wäre die sache eine bekanntmachung wert! dann hätte man absolute klarheit und bräuchte nicht weitere kostbare energie in solch eine, meine ich wichtige sache, stecken... wie gesagt die delikte wären uninteressant, da es sich bei der de in jedem fall um widerrechtliche inhaftierungen gehandelt hat. vielleicht könnten sich einmal die ehemals inhaftierten der de, hier im forum, dazu äußern.

guetschli
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Re: Buch Schwedt

Beitrag von guetschli » 14 Aug 2011, 01:06

Hallo
Ein anhaltspunkt, ist doch die Dienstzeit. Ich habe im Grundwehrdienst doch 20 Monate im Wehrpass zustehen. Also 18 Monate grundwehrdienst und zwei Moonate nachdienzeit. Wird ja wohl keiner freiwillig 2-3 Monate rangehängt haben. Ich glaube nnicht einmal das das gegangen wäre.
Da könnte man es ja aufhängen.
Die aus dem MSG haben ja ein Urteil, wir (ab 82) haben aber die Nachdienzeit. Denkt mal drüber nach.
Ja ich glaube der Jahn ist der bessere als die Birthler. Die war nur für sich selber da, aber der Jahn räumt glaube ich auf. Siehe Stasi im Westen.
Bis jetzt haben sie mir geschrieben das eigentlich alles aufgearbeitet ist und es keine neuen erkenntnisse gibt. drr Jahn aber sagt es müssen mindesten noch zehn Jahre aufgearbeitet werden, da es nochh milionen Akten gäbe.
Vieleicht kann ja Arno was dazu sagen, denn er war ja sehr hilfreich bis jetzt.
gruss guetschli
2 Monate Strafdienst in der Disziplinareinheit 04.01.1984-03.03.1984

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Nachweis-(Un-)Möglichkeiten

Beitrag von Stasi-Forscher » 14 Aug 2011, 13:05

Liebe Freunde der Aufarbeitung, hallo baustus, Harald & guetschli,

danke für die "Blumen" & ich will auch gerne behilflich sein, muß aber vor großen Erwartungen warnen.

Aus meinen bisherigen Recherchen kann ich noch keinen Ansatz erkennen, dass überhaupt oder welche Unterlagen zu den Anwesenheiten der Disziplinarbestraften verlässlich Auskunft geben können. Ich kenne keine Übersichten oder Listen, die dies liefern würden. Bei den Stasi-Akten sind es jeweils nur "Zufallsfunde", die vor allem davon abhängen, ob derjenige wegen oder nach seiner Schwedt-Phase in das Visier der Stasi geraten ist. Aber selbst wenn es Stasiakten gibt, bedeutet das noch lange nicht, dass genaue Anwesenheitszeiten vermerkt sind. Oft heißt es nur: „wurde vom Kommandeur disziplinarisch bestraft“; besseren Falls "wurde mit 2 Monaten Schwedt bestraft" oder ähnlich. Hier wird wohl jeder Einzelne beim BStU seinen Antrag stellen müssen und er sollte auch genau auf diesen Punkt verweisen.

Der Hinweis von guetschli, dass ja aus den Wehrdienstausweisen die tatsächliche Zugehörigkeit zur NVA rauszulesen ist, dürfte da evtl. zielführender sein.

Ob das Militärarchiv darüber hinaus ähnliche Nachweismöglichkeiten hat, weiß ich nicht. Definitive Schwedt-Unterlagen hierzu hat ja auch Dr. Wenzke nicht gefunden. Selbst die heißeste Spur mit dem Übergabeprotokoll vom Sommer 1990 zu den 800 Gefangenenakten dürfte sich eher auf die MSG und nicht auf die DB beziehen. Aber diese Akten sind ja weiterhin verschollen.

Und zu den Rehabilitierungsmöglichkeiten für die DB kann ich mich nicht äußern - da bin ich absolut kein Fachmann. Ich teile jedoch den Ansatz, dies auch als Freiheitsberaubung zu betrachten und verweise auch da wieder auf Wenzke, der ja beschrieb, dass zum Ende der DDR auch unter den Militärjuristen die Erkenntnis reifte, dass für die Disziplinarbestrafung mit Schwedt keine verfassungsmäßige Grundlage bestand.

Viel Erfolg bei Eurem Bemühen wünscht

der Stasi-Forscher

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Dresdner
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Re: Buch Schwedt

Beitrag von Dresdner » 14 Aug 2011, 17:58

Ich sehe da auch gewisse Schwierigkeiten und Probleme.

Bei den MSG gibt es ja entsprechende Untersuchungsakten/ Ermittlungsunterlagen und letzthin das Urteil. Aus diesem lässt sich dann ja auch ein Anspruch auf Rehabilitaton / Anerkennung ableiten.

Ob die "Aktenlage" bei den in der DE einsitzenden Soldaten- selbst wenn diese wieder irgendwo auftauchen, ähnliche Rückschlüsse zuläßt, wage ich mal zu bezweifeln.
Soweit ich weiß, gab es ja letzthin nur den Befehl zur Kommandierung nach Schwedt für XX Wochen.
Ob draus erkennbar ist, aufgrund welcher Verletzung der DV die Kommandierung erfolgte.... hm, weiß ich nicht so richtig.

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Re: Buch Schwedt

Beitrag von baustus » 14 Aug 2011, 19:33

ja, also welche verletzung der dv begangen wurde wird in der sache gar nicht von bedeutung sein, da es sich in - allen - fällen quasi um freiheitsberaubung gehandelt hat. es ist also nicht die politisch motivierte verletzung der dv ausschlaggebend, da es sich bei den inhaftierungen der nva-angehörigen um widerrechtliches handeln insgesamt gehandelt hat. hierzu wurde eigens die - strafrechtliche rehabilitierung- in der neuesten fassung erweitert zum strafrechtlichen rehabilitierungsgesetz. die pdf hierzu ist im internet auf verschiedenen seiten abrufbar, circa 40 seiten. z.b unter:- www.bmj.de - , dann weiter unter unrecht ddr, weiter unter merkblätter. kann sein die strafrechtliche rehabilitierung ist nur einen link entfernt. sie bringt dem betroffenen neben entschädigung weitere erhebliche leistungen. leistungen auf die er ein anrecht hat. ich selber habe die strafrechtliche, verwaltungsrechtliche und andere erkämpft... wobei mir aufgefallen ist, das dieses recht ebenso auf die db der de anzuwenden geht... natürlich sollte ein jeder persönlich sich die pdf ersteinmal durchlesen... ich persönlich plediere allerdings für ein einheitliches gesuch...schon alleine wegen der beweislastumkehr und anderen. ...
also ersteinmal die sache sacken lassen und dann möglichst einheitlich handeln. wenn man sich überlegt, dass das einige tausend nva-angehörige(ehemalige) betrifft. ich habe schon einmal grob durchgerechnet, was das der b-regierung kosten würde: knappe 7,5 millionen euro. die verbrennen locker an einem tag an der frankfurter börse... also die db sollten sich mal dazu äußern, ob so etwas gewollt wäre... denn der wille hierzu muss von den betroffenen selber zum ausdruck gebracht werden.

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Re: Buch Schwedt

Beitrag von baustus » 21 Aug 2011, 19:45

nun stand der denkanstoß gut eine woche hier im forum, ohne dass sich dazu einmal ein paar ehemalige dbs geäußert hätten. wenn jemand damit probleme hat kann er mir gerne eine persönliche mail senden... aber im grunde steht jetzt alles in den vorigen seiten... für die, die noch keine rehabilitierung beantragt haben... und natürlich kann man dazu auch niemanden zwingen schließlich leben wir ja in einer demokratie. eben gerade war gysi im ard in einem politischen gespräch mit zwei journalisten in der diskussion zu sehen... und zu hören!!! ganz sicherlich kein dummer und in vielem was er sagte konnte man ihm ohne weiteres zustimmen...allerdings wie er sich aus der mauerbaufrage und dessen sinn herausgewunden hat, war ein von sinn und logik gelöster, grob falsch dargelegter sachverhalt, sprich unsinn. damit hat er sich bei mir das letzte fünktchen achtung, als politiker, das ich ihm noch entgegengebracht hatte verspielt.

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blitz67
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Re: Buch Schwedt

Beitrag von blitz67 » 21 Aug 2011, 21:56

Hallo baustus,

ich denke jeder hier im Forum muß selber wissen auf was er antwortet.Du scheibst selber das wir Demokratie haben aber ich finde trotzdem schön wie du dich ins Zeug legst.Gebe den Leute halt mehr Zeit dafür.

Gruß Blitz 67

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