Buch Schwedt

harald
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Re: Buch Schwedt

Beitrag von harald » 08 Jul 2011, 17:58

Das diese Diskusion jetzt so eskaliert hätte ich nicht erwartet, zumal ich ja nicht ganz unschuldig dabei bin. Aber wir sollten endlich wieder sachlich werden und das Forum mit solchen Dingen nicht kaputt machen.
Ein Treffen aller Beteiligten ? Ja, warum nicht. Das letzte und auch erste Treffen fanden alle Beteiligten als gelungen. Es war schön auch mal die Gesichter zu den Pseudonamen zu kennen. Die Atmosphäre war auch klasse. Nur schade, das von den vielen Zusagen nur wenige wirklich erschienen sind.
Aber macht ein erneutes Treffen auch wirklich Sinn ? Wo sind Ergebnisse vom ersten Treffen. In den letzten Tagen und Wochen frage ich mich immer öfters, ob es überhaupt noch Sinn macht im Forum weiter zuarbeiten. Jeder schreibt irgendwelche Bücher oder Zeitungsartikel, kaum einer bleibt bei der wirklichen Wahrheit. Jetzt könnte natürlich wieder jemand sagen, auch ich hatte die Möglichkeit am Buch mitzuwirken. Ja, die hatte ich. Aber ich habe schon mehrfach meinen Standpunkt zum Forum klargemacht.
Erstmal in diesen Sinne, zum Artikel direkt werde ich mich trotzdem zu einen späteren Zeitpunkt und wenn ich mehr Zeit habe äussern.

Harald

PS: Sollten grammatikalische oder Rechtschreibfehler enthalten sein, Sorry ich bin kein Schriftsteller

Slawi1
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Re: Buch Schwedt

Beitrag von Slawi1 » 09 Jul 2011, 20:10

guetschli
Sag mal überlegst du manchmal befor du etwas schreibst
Ich glaube woll kaum.
Denn wie kann man Menschen als Kriminelle und Verbrecher hinstellen deren
Lebensgeschichte du garnicht kenst.
Das is für mich letste Schublade

harald
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Re: Buch Schwedt

Beitrag von harald » 11 Jul 2011, 16:47

Heute, wie bereits angekündigt, mein Beitrag zum Zeitungsartikel.
Da ich nur kurzzeitig im MSG - Bereich war, möchte ich dazu nicht allzuviel sagen.
weckten die Wächter ihn
fast jeden Tag um viertel vor vier.
Frühstück, Frühsport, Morgentoilette.
Um halb sechs
rückte er aus, um im
Leuchtenbau Lampen
zu montieren.

Das Wecken war nicht viertel vor vier und auch nicht durch die "Wächter". Nicht mal im Zoo sagt man Wärter oder Wächter zu den Pflegern und im Museum waren wir auch nicht.
Das Wecken erfolgte durch den Gehilfen der Kompanie und dieser war auch ein MSG.
Ausrücken zur Arbeit um 5:30 Uhr stimmt ebenfalls nicht, jedenfalls nicht für den Leuchtenbau. Da war Abfahrt für das Arbeitskommando Pinnow.
sieht den
rostigen Stacheldrahtzaun in der
Ferne, den alten Lampenbau. „

Der alte Leuchtenbau (Baracke) ist nicht mehr sehen, dieser ist ebenfalls schon dem Abrisskommando zum Opfer gefallen.
Der Drill war schärfer.
Frühstück, Frühsport, Waschen.
Dann bis zu drei StundenMilitärausbildung.
Danach ging es bis
19Uhr zur Arbeit.Hinzu kamen die
Appelle, das Revierputzen und zig
Stunden Politunterricht.

Hier wurde wohl versäumt seine Informationen an richtiger Stelle zu suchen. Da es bekanntlich zwei Kompanien gab, konnten die TDAP schon da voneinander abweichen. Im Laufe der Jahre sind diese je nach Arbeitsbetrieb und Ort abgeändert worden. Definitiv war aber die militärische Ausbildung erst nach der Arbeit und das nur für eine Stunde, ausser Samstags. Dazu kam noch die Zeitungsschau, die Putz- und Flickstunde und das Revierreinigen.
Bis 19 Uhr hatte nie einer gearbeitet, in der DE gab es keine zwei Schichten.
Um welche Appelle soll es sich da handeln ? Auch gab es keine zig Stunden Politschulung, diese war höchstens ein Samstag im Monat.
Woher kommen solche Falschinformationen.
EineDunkelzelle, kaum einenQuadratmeter
groß. Tagsüber klappten
Wächter die Pritsche der Zelle hoch
und verschlossen sie an der Wand.
Wer in dieMumpe kam, musste stehen
oder auf dem Boden kauern.

In der DE gab es nur Arrestzellen, ich kenne da keine Dunkelzelle und auch keine in der Größe von knapp einen Quadratmeter. Wenn man schon auf dem Gelände war und soetwas schreibt, hätte man die Zelle vielleicht auch ausmessen können. Es sind etwa drei Quadratmeter, geschätzt.
Die "Wächter" klappten die Pritsche nicht hoch, das war der UvD bzw. GUvD, aber man hatte immer noch einen Hocker zum sitzen in der Zelle. Ich kenne nur einen Fall wo auch dieser herausgenommen wurde, das aber zu seiner eigenen bzw. zu unserer Sicherheit.

Das sind meine Erinnerungen über meine ehemalige "Arbeit".

In Zukunft erst informieren und dann schreiben ohne irgendwelche Dichtungen. Immer schön bei der Wahrheit bleiben.

Harald

Dessauer
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Re: Buch Schwedt

Beitrag von Dessauer » 11 Jul 2011, 23:34

Hallo harald,

wen zitierst Du in Deinem letzten Beitrag?

Gruß
Dessauer

harald
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Re: Buch Schwedt

Beitrag von harald » 12 Jul 2011, 00:45

es geht um den Artikel in der Märkischen Allgemeinen vom 28./29. Mai, verfasst von Issio Ehrich,
dieser befindet sich in diesen Thema auf Seite 2
muss aber als download geöffnet werden
baustus hatte ihn hier eingestellt

Harald

guetschli
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Re: Buch Schwedt

Beitrag von guetschli » 12 Jul 2011, 03:07

Hallo, genau das ist meine Meinung und Harald hat recht. Baustus hat aber den Tagesablauf der DE in seinem zweiten Buch richtig beschrieben. Auch statistiken zu den Delikten im MSG. Wie ich schon sagte, es sind mehrheitlich Dinge die auch in jedem anderen Land und im Zvilen bestraft worden wären. Körperverletzungen an erster stelle, über mishandlungen und kameradendiebstahl, usw. Aber wenn man hier alles so liest , sind alle Opfer des DDR Regimes. Ich war auch im Zivilen Volzug und da waren auch alle unschuldig und der Staat war schuld. Ich habe extra betont das es in der DE anders war, denn wir sind auch nicht verurteilt worden da wir gegen kein Gesetz verstossen haben. Und deswegen ist für mich das Nachdienen "Freiheitberaubung" nicht die Zeit in der DE sondern die Nachdienzeit.
Aber da ja lesen bildet ( Zitat Dr. Wentzke) hätte Herr Wentzke auch mal andere Bücher (zwei mal Baustus) lesen sollen und nicht für sein Buch hier werbung machen sollen. Aber eben, getretene Hunde bellen.
Und damit ist hier für mich schluss zu dem Thema Wentzke, das ist er mir nicht wert.
Aber hoffentlich weiter Qualifizierte Beiträge zur Aufarbeitung und keine Parolen mehr.
In diesen Sinne, ein Sold. der die DE wirklich erlebt und nicht erhört, oder erlesen hat. Vieleicht sollte man die mal befragen , bevor man "wissenschaftliche Bücher " schreibt. Romane sind etwas anderes.
guetschli
2 Monate Strafdienst in der Disziplinareinheit 04.01.1984-03.03.1984

Lacrimo

Re: Buch Schwedt

Beitrag von Lacrimo » 29 Jul 2011, 22:06

Hallo an alle,

ich habe heute alle Einträge zum Buch "Ab nach Schwedt" gelesen, und möchte auch dazu schreiben. Ich finde es sehr befremdlich, das so unsachlich diskukiert wird. In diesem Forum hat jeder die Möglichkeit über sein Erlebtes zu schreiben, aber man sollte nicht beleidigend werden. Ich war auch sieben Monate da, 1983/84 (Unterlassene Anzeige zur Republikflucht - insgesamt 1 Jahr). Jeder von uns hat es anders erlebt, ich finde das Buch von Dr. Wenzke sehr aufschlußreich und informativ, er hat nichts geschrieben, was er nicht belegen konnte. Er hat sich auf uns berufen, als Quelle, er war selbst nicht in Schwedt und war auf andere angewiesen, was alles schwerer macht. Ihm in nachhinein Vorwürfe zu machen, ist in meinen Augen falsch, da ich finde, das nur jemand objektiv über Schwedt schreiben kann, der nie da war. Es sind immer subjektive Erlebnisse, die wir erzählen und die mit der Zeit verblassen, weil manches vergessen wird. Bei mir ist es doch auch nicht anders, man erinnert sich nicht mehr an alles. Es ist doch aber auch wahr, das in Schwedt ganz normale Verbrecher (z.B. Sittlichkeitsdelikte) saßen, und die über diese Zeit geschwiegen haben. Ich denke wir sollten wieder zu einer normalen Diskussion finden, weil es um unsere Aufarbeitung geht.

In diesem Sinne Lacrimo

baustus
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Re: Buch Schwedt

Beitrag von baustus » 10 Aug 2011, 20:11

hallo quetschli,

mit der freiheitsberaubung hast du recht. ich hatte ja einen kurzen auftritt im rbb, der einen wirklich guten job gemacht hat. siehe meine mail. ... und man muss es dem rbb wirklich gut schreiben... sie haben es mit der rehabilitierung der DZ-Inhaftierten zum schluss des berichtes gebracht... also wenn sich alle einig sind: wird rehabilitiert! ... betrifft die DZ 2... wir aus dem militärstrafvollzug hatten ja unser urteil... aber ihr !!! wie sagt schon ein gutes altes deutsches sprichwort: "oft gezielt, aber nie getroffen", das kann man ändern.

gruss baustus

guetschli
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Re: Buch Schwedt

Beitrag von guetschli » 11 Aug 2011, 22:54

Hallo Baustus
Irgendwie hängt es bei mir, und ich werde nicht ganz schlau aus dem was du schreibst. Was meinst du mit REHA ? Ich weiss von keinem Bericht vom RBB. Aber vieleicht (bestimmt) kannst du mir ja auf die sprünge helfen.
gruss guetschli
2 Monate Strafdienst in der Disziplinareinheit 04.01.1984-03.03.1984

baustus
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Re: Buch Schwedt

Beitrag von baustus » 12 Aug 2011, 20:27

hallo quetschli,

ich meine, dass ihr in der disziplinareinheit ja ohne gerichtsurteil inhaftiert wurdet. das ist im prinzip freiheitsentzug ohne rechtliche handhabe. ein umstand, der grundsätzlich entschädigt, rehabilitiert gehört. es ist eine grundsatzfrage, deren rechtslage allerdings eindeutig ist. ich rede hier von strafrechtlicher rehabilitierung. und ob nun die inhaftierung selbst oder die nachdienzeit als die eigentliche bestrafung angesehen wird ist unerheblich... und auch die vielfalt der delikte ist in diesem fall nicht ausschlaggebend und, und, und. und noch etwas entscheidendes: - wenn sich alle einig wären, wäre das auch ein angemessener anlass schwedt einmal unter einem anderen gesichtspunkt in den blickwinkel der öffentlichkeit zu rücken - und es würde sich ebenso lohnen auch einmal über die menschen - auf der anderen seite des zaunes - nachzudenken. ich habe viele gute und aufrichtige leute in meinem polizeisportverein kennengelernt, die alle gedacht hatten: das richtige zu tun... und dabei kommt man dann ins gespräch... und man denkt: mensch der ist doch eigentlich echt ok und der haut dich hier sogar noch aus einer brenzlichen situation heraus... das meine ich jetzt sportlich. boxen ist ja eine leidenschaft von mir, die mir alte boxlehrer des nva-armeesportvereins asv-rostock beigebracht hatten. aber der punkt ist: ich denke, dass wir unser potential als forum noch zu wenig einsetzen. manch einer gibt eine bemerkung auf einen streit oder ähnliches ab und äußert sich dann monatelang nicht mehr. was soll dass? wenn ich was zu sagen habe oder etwas einbringen will in dieses forum kann es schon etwas mehr sein. da kann man dir nichts nachsagen, dass du nicht sagst was du denkst. kann sein. dass genau das dir schon so manches mal schwierigkeiten eingebracht hat. du warst ja auch im zivilen vollzug und weißt sicherlich was ich meine. also ich jedenfalls würde mich freuen, wenn man den leuten da "draußen" einmal klar macht, was schwedt wirlich war und was sich in allen köpfen abgespielt hat, in allen.

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