Das Schweigen von Schwedt - ein neuer Zeitungsbericht

Stasi-Forscher
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Das Schweigen von Schwedt - ein neuer Zeitungsbericht

Beitrag von Stasi-Forscher » 26 Mär 2011, 23:23

Liebe Freunde der Aufarbeitung,

in der "Berliner Zeitung" war gestern (25.3.11) ein ganzseitiger Artikel (okay, ein Viertel war ein Foto des Flurs mit den Einzelzellen der DE) zu unserem Thema. Nix wirklich Neues, aber immerhin eine recht ausführliche Abhandlung in der nach eigenen Angaben größten Abonnement-Zeitung Berlins. Wer's nachlesen will, bitteschön:

http://www.berlinonline.de/berliner-zei ... index.html

Beste Grüße

Stasi-Forscher

KaneTheCursed
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Re: Das Schweigen von Schwedt - ein neuer Zeitungsbericht

Beitrag von KaneTheCursed » 28 Mär 2011, 05:53

der superintendent der damals bausoldat war, die sache kommt mir bekannt vor.
es waren damals glaube ich 3 mann, sie hatten sich geweigert den schiessplatz zu bauen.
sie waren in meiner kompanie in der mstve schwedt. sie wurden vorzeitig entlassen.
das geruecht ging um damals das sich die kirche und der vatikan mit eingeschaltet haben.
ist aber alles schon zu lange her um genau was sagen zu kønnen.

in der scheiss mumpe war ich damals 10 tage drin. mittlere zelle.
links war die absonderungszelle, und rechts sass eddi wuestefeld drin. er hat damals in
der zelle bescheid bekommen das er nach den 10 tagen mumpe, den rest seiner strafe in absonderung bleiben wird.
ich konnte es høren in meiner zelle.
ich war erst ne zeit absonderung und dann in der mumpe.
wegen politischer diversion, was immer das sein soll.
der politoffizier L. war das oberarschloch, der typ hatte keinen dunst von der materie.

ollepolle
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Re: Das Schweigen von Schwedt - ein neuer Zeitungsbericht

Beitrag von ollepolle » 29 Mär 2011, 22:16

Hallo Kane,

also der Superintendent, der wurde bereits vor Jahren in der einen Film-Doku des mdr mit vorgestellt; daher ist er auch den Nicht-Schwedt-Insassen möglicherweise schon bekannt. Wenn Du mit ihm zusammen vor Ort warst, hat das natürlich eine ganz andere Authentizität.

Dass sich der Vatikan für ihn eingesetzt hätte, glaube ich aber weniger, da Superintendenten evangelisch und der Vatikan nun mal katholisch sind.

Aber kannst Du mir (und vielleicht auch manch anderen hier im Forum) bitte mal den Unterschied von "Mumpe" und "Absonderung" erklären? Danke vorab!

ollepolle

KaneTheCursed
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Re: Das Schweigen von Schwedt - ein neuer Zeitungsbericht

Beitrag von KaneTheCursed » 30 Mär 2011, 05:42

katolisch, evangelisch da hab ich keine ahnung von. fuer mich die ueberfluessigste sache auf der welt. :)
es waren nur geruechte damals.

absonderung bist du auch in einer zelle, abgesondert von den anderen.
du hast aber ne liege drin, bettzeug. kannst was zu lesen mitnehmen und rauchen.

mumpe, arrest, da hast du sowas nicht.

rolli.m
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Re: Das Schweigen von Schwedt - ein neuer Zeitungsbericht

Beitrag von rolli.m » 30 Mär 2011, 19:04

Hallo an das Forum,

ich habe mit großem Interesse den Artikel in der Berliner Zeitung gelsesen.

Als Schwedter war mir bereits seit den Kindertagen bekannt, das es in der Nähe des, damals noch EVW, ein
Gefängnis gab.
Das habe ich auch nicht verdrängt, oder so. Allerdings ist darüber nicht ständig unter Freunden oder in
der Familie gesprochen worden.
Erst mit meiner Zeit bei der Fahne ist das natürlich deutlich bewußter geworden, auch durch entsprechende
Bildungsvorträge des zuständigen Mlitärstaatsanwalts.

Am Beginn des Artikel ist von gefesselten und durch Polizei mit MP bewachten Starfgefangenen die Rede.

Zitat:
Wie wir durch den Bahnhof geführt wurden, in Handschellen und von Polizei mit Maschinenpistolen bewacht.
Die Menschen drehten sich weg, Frauen mit Kindern liefen davon, aus Angst." Solche Szenen hat es häufig gegeben.
Zitatende:

Ich habe gerade nach meiner Zeit bei der NVA genauer hingeschaut, wenn auf dem Bahnhof ein o. zwei Uniformierte mit Seesack
auftauchten. Allerdings kann ich mich an Handschellen o. offen getragenen Kalaschnikows nicht erinnern. Genauso wenig wie an
Polizisten als Bewachung.

Daher meine Frage an euch, hat die Überstellung nach Schwedt auch in dieser Form stattgefunden?
Gab es abgeschlossene Waggongs an den regulären Zügen?

Oder ist da der Schreiberling über das Ziel hinausgeschossen?

Ich freue mich auf Eure Antowrt.

Liebe Grüße aus Schwedt.

Roland

KaneTheCursed
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Re: Das Schweigen von Schwedt - ein neuer Zeitungsbericht

Beitrag von KaneTheCursed » 31 Mär 2011, 05:39

hallo rolli

bei mir war es so. ich wurde damals von einem offizier von meinem schiff damals,
nach schwedt gebracht. ohne handschellen. mit dem scheiss seesack.
ich weiss nun nicht genau wie es war mit leuten aus der u-haft.
aber die wurden meines wissens direkt in den msv gefahren und nicht am bahnhof abgeliefert.
der grotewohlexpress ist glaub ich nicht durch schwedt gefahren.
bei meinem zweiten mal im zivilen vollzug wurde ich mit dem grotewohlexpress durch die ddr gefahren,
bei aufenthalten in versciedenen knæsten, leipzig, magdevburg, halle und so, wurden wir immer auf dem
bahnhof in diese ollen transporter verladen und in den vollzug gefahren.
das geschah meist auch ein wenig abseits ganz am ende des bahnsteigs.
und beim umsteigen diese paar meter hat man handschellen getragen. und da war wachpersonal mit hunden und waffen.
aber quer durch den bahnhof gefuehrt, daran kann ich mich nicht erinnern.

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blitz67
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Re: Das Schweigen von Schwedt - ein neuer Zeitungsbericht

Beitrag von blitz67 » 31 Mär 2011, 15:57

Hallo zusammen,

also ich kann von meiner Zeit sagen das mich zwei Offiziere hingebracht hatten und die trugen beide Pistolen(Makarov).Seesack hatte ich auch aber keine Handschellen.

Gruß blitz67

Steffen
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Re: Das Schweigen von Schwedt - ein neuer Zeitungsbericht

Beitrag von Steffen » 31 Mär 2011, 22:50

Ich glaube,
eine allgemeingültige Vorschrift zur Zuführung von Disziplinarbestraften wird es nicht gegeben haben. Ob mit oder ohne Handfessel dürfte wohl abhänig vom Delikt bzw. Strafmaß gewesen sein. Vieleicht auch wie der Kommandeur entschieden hat.
Es gab auch Militärangehörige, die als Selbststeller eigens mit der Deutschen Rechsbahn anreisen mussten. Ebenso war die Abreise organisiert. Abgeholt wurde keiner.Siehe auch Ordnung 036 / 0 / 005 Pkt. 136 ( 2 )
Wortlaut : " Dem zu Entlassenden sind der Wehrdienstausweis, die verwahrten Dokumente, dieNormaustattung der Bekleidung und Ausrüstung, persönliche Schutzausrüstung, ein Dienstauftrag und einen Militärfahrkarte zu übergeben. Das Gesundheitsbuch, die Bestätigung über den Vollzug der Strafe mit Freiheitsentzug sowie die anderen verwahrten Dokumente sind in einem versiegelten Umschlag dem zu Entlassenden auszuhändigen. Die Fahrkarte und die Mitgabe des versiegelten Umschlages sind auf dem Dienstauftrag zu vermerken. Die Gültigkeit des Dienstauftrages ist für die Dauer der Rückfahrt zum Truppenteil bzw. zur Dienststelle zu befristen. "Militärstrafgefangene wurden bestimmt mit Handfessel zugeführt, da sie meist aus den UHA `s der Republik kamen und wie Strafgefangene behandelt worden sind.
Mit dem " Grotewohlexpress " wurde in Schwedt niemand zugeführt. Möglicherweise bis Angermünde und von da mit Gefangenentransportwagen, das wäre vorstellbar.

guetschli
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Re: Das Schweigen von Schwedt - ein neuer Zeitungsbericht

Beitrag von guetschli » 04 Apr 2011, 02:05

Hallo
Ich wurde auch in Begleitung eines Unterleutnant und eines Sold. mit dem Personenzug ohne Hanschellen nach Frankfurt und dann nach Schwedt gebracht.
Auch im Zivilen Strafvollzug (Knast) wurden wir in der Öffentlichkeit mit Führungsketten (Knebelketten) die man bekanntlich nicht sah, geführt. Es war per gesetz verboten in der Öffentlichkeit Handschellen zu benutzen. Bei den Transporten war es unterschiedlich. Im B1000 wurden sie abgenommen , da man ja in einer kleinen Zelle sass.
Im W-50 waren wir zu zweit an einer Handschelle gefessellt. Der W-50 war aber in zweiTeile ( Weiblich/Mänlich) unterteilt.
Im Grotewohl (erfinder ,Otto Grotewohl)express war man ja auch in Zellen und somit ohne Handfessellen.
Das was da mit Polizei(die hatten ja nun garnix damit zutun, entweder trapo, oder Vollzugsbeamte (fast die selbe Uniform)steht ist wohl sehr übertrieben. Es gab im Grotewohl keine Polizei.
Auch AK47 gabs nur bei der NVA. Trapo und Vollzug hatten kleine Tschechische MP.
gruss guetschli
Aber vieleicht gab es ja auch aussnahman ??!!
2 Monate Strafdienst in der Disziplinareinheit 04.01.1984-03.03.1984

rolli.m
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Re: Das Schweigen von Schwedt - ein neuer Zeitungsbericht

Beitrag von rolli.m » 11 Apr 2011, 19:19

Hallo an das Forum.

Vielen Dank für die schnellen Antworten.

Meine Erinnerungen habt Ihr damit bestätigt. Vielleicht sollte mal jemand den Herrn Beuchel auf dieses
fehlinterpretierte Interview hinweisen. Es ist ja wohl nicht anzunehmen, dass Er bewußt solche falschen Angaben gemacht hat.

Ich habe heute zufälligerweise mit einem Kollegen im Vorbeifahren am Objekt über diesen Artikel gesprochen. Er hatte die Aussagen daraus glatt für bare Münze genommen und war sehr erstaunt, als ich Ihn auf die Tasachen hinwies.

Einen Punkt hatte ich noch in meinem Beitrag vergessen.

Zitat:
Da führte eine selten befahrene Stichstraße hin, die an einem mysteriösen Tor im Wald endete. Das war's",
Zitatende:

Das mit der Stichstraße stimmt nur zur Hälfte. Wenn ich mich recht entsinne, führte ein viel und gern benutzter Fahrradweg
durch das Gebiet Monplasier zum einem Tor zum nördlichen Teil des PCK. Dieser war deutlich kürzer als der Weg über die Straßen F o. H. Er war allerdings nur zu den Schichtwechseln besetzt. Der Weg führte am "Armeeknast" vorbei. Jeder der dort mehr als einmal lang kam, muß das Objekt bemerkt haben. Und das waren sicher nicht wenige.

Gruß Roland

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